die schreiberin

tl;dr: sehr kurze *geschichte* über ein thema, das mich immer wieder beschäftigt: schreibblockaden. im moment gerade wieder . ich habe also vor ungefähr einem jahr angefangen auf wordpress zu bloggen, und ich finde es noch immer sehr schön, auch für all die kurzen begegnungen und momente. im moment schaffe ich es zeitlich kaum, online zu sein, weil mein offline-leben mich zu sehr beansprucht (+ meine schlechte zeiteinteilung), was dazu führt, dass ich weder zeit für meinen eigenen blog habe noch dafür mir auf anderen blogs, postings durchzulesen. (letzteres vermisse ich mehr.) ich gehe davon aus, dass ich im winter wieder mehr zeit finden werde, bis dahin wünsche ich allen einen schoenen herbst 🙂

Die Schreiberin

Die Geschichten wollten erzählt werden. Sie hatten lange genug gewartet und jetzt drängten sie darauf. Sie flüsterten ihr zu, versetzten sie in Unruhe und ließen sie nicht mehr los. Aber die Schreiberin rührte das scheinbar nicht. Anstatt sich einen Stift zu greifen, saß sie nur da oder rannte im Kreis oder alles.
Vieles passierte, manches änderte sich, die Geschichten wurden wieder zurückgedrängt, formierten sich neu, vermehrten sich.  Jede einzelne Figur wurde in das Heer der Geschichten einberufen. Die Geschichten frohlockten: Nun, nun, hörte die Schreiberin sie wispern. Bald wirst du dich nicht mehr wehren können. Sie rechneten fest damit, bald geschrieben zu werden und drangen in ihr Leben ein, bestimmten ihr Leben, wurden zu ihrem Lebensinhalt.
Dennoch wurden sie nicht geschrieben. Durch ihre Kriegserklärung hatten sie nichts erreicht. Im Gegenteil: Die Schreiberin wurde zusehends blasser. Die Geschichten sprudelten nicht wie von ihnen gewünscht aus ihr hervor, denn sie wusste noch weniger, wo sie beginnen sollte. Es waren zu viele und sie alle wollten als Erste auf dem Papier existieren. So wandte sich der Krieg gegen die Kriegstreiber. Revolutionen wurde ausgerufen. Die Kurzgeschichten wollten mehr Beachtung und gründeten eine Widerstandsbewegung gegen die großen Romane. In diesen ganzen Wirren zog sich die Schreiberin zurück. Und sie saß da und wartete und lachte und tat alles, außer dem einen.
Denn sie konnte nicht mehr schreiben, obwohl sie sich nichts mehr gewünscht hätte. Da war diese Sache, die ihr die Wörter raubte, sie daran hinderte, es ihr unmöglich machte. Das Wort dafür fiel ihr manchmal nicht mehr ein, wenn sie bewegungslos da saß. Aber manchmal kam es ihr wieder in den Sinn: das Leben war es, vorausgesetzt es war; so zu nennen.

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7 Kommentare zu „die schreiberin

  1. wow, liebe lia. dieser text ist einfach nur stark. diese sich selbst vermehrenden geschichten habe ich auch in mir drin. sie stehen schlange, sie drängen sich mir auf … und doch … da ist kein raum, sie herauszulassen. es ist eine art geschichtenopstipation, sozusagen, die ich aktuell habe. mir fällt zu deinem text einer ein, den ich vielleicht heute bloggen werde, mangels neuer, aktueller texte, für die ich zurzeit die ruhe nicht finde.

    ich hoffe, dass auch bei dir wieder andere zeiten kommen werden, denn ich lese dich und deine texte sehr gerne. sicher sind auch deine kurzgeschichten und romane erzählens- und lesenswert.

    nicht aufgeben.

    ich hoffe, die schreiberin lässt den geschichten eines tages den raum, den sie brauchen!

      1. danke für die liebe antwort und für den mir gewidmeten blogbeitrag. es ist wirklich so, dass ich im moment sogar sehr sehr lange brauche um nur zurückzuschreiben. (ich hoffe wirklich, dass wird jetzt bald wieder besser!).

        merci. glg lia

      2. wir können einfach nicht alles – und dazu setzen wir uns zuweilen so unter druck … was ich eigentlich doof finde, aber trotzdem „mitspiele“.

        bitte, gerne, herzlich, soso

  2. Hey Lia,

    schön von dir zu hören!! mir gefällt deine Geschichte auch, und es gibt eben so Phasen im Leben, wo man nicht so zum Schreiben kommt, aber wie hat vor kurzem jemand Kluges gesagt: „sie arbeiten trotzdem in dir“, also im Sinne von Weiterentwickeln und Entstehen. Eine Bekannte schreibt monatelang nichts, und dann aber voll die Hammer-Sachen…
    Ich freu mich auf den Winter 🙂

    cheers!
    fraulinde

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