schöne lügen

hinter jedem unserer
bleib wie du bist
verbarg sich immer auch
ich ertrage nicht, wer das ist.

und wenn wir flüsterten
ich bin froh, dass du neben mir liegst
dann dachten wir weiter
und ich hasse mich dafür, dass es so ist.

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Kritzi Kratzi

Alltagsgeschichte & Versuch im Dialekt zu schreiben III: Telefongespräch einer Tochter mit ihrer Mutter; wir lesen: die Stimme der Tochter, die mit ihrer Mutter, danach mit ihrer Freundin über das Gespräch spricht.

Am Telefon:
mama, i hob grod mit da ines gredt und sie hot gmant, dass sie des net unterschreibn kann.

jo, mama, waßt, des muas wenn dann dea bernd unterschreibn, weil iam die firma ghert. Und dea woa heit net do.

na, do kau net anfoch die ines so a kritzi kratzi hinmochn. Des passt daun net. Des kaun net anfoch irgendwea so kritzi kratzi mochn, do brauch i die unterschrift vom bernd dazua.

mama, jetzt hea mi holt amol zu! Na, des geht so net!

Zur Freundin, die während des Gesprächs neben ihr gestanden hat:
boah, i waß echt net, wos de sie denkt – sie glabt, es sullt glei irgendwea so a kritzi kratzi hinmochn, owa des geht holt net.

un::schuldig

weil sie nicht hielten, sich stets im wandel befanden, bezweifeltest du die echtheit von gefühlen; weil deine maßstäbe an dich selbst, an andere unerreichbar waren, kamst du dir um dein leben betrogen vor.

gern hätte ich dir deine augen geöffnet – dir nicht nur erklärt, sondern gezeigt, dass es angenehmere wege gab, die wirklichkeit zu erleben; dass gefühle authentisch waren, auch wenn sie ihre intensität änderten; dass es nie falsch sein konnte, etwas zu empfinden, selbst wenn es nicht gespiegelt wurde-

aber dazu hätte ich meine eigenen verschließen müssen, um auszublenden, dass dein leben dir die sicht nicht bloß geraubt, sondern dich längst erblindet hatte.

dafür hätte es ein wunder gebraucht, und das konnte ich nicht sein, dazu fehlt mir der glaube. alles was zu tun blieb, war dich einen augenblick lang festzuhalten, damit du loslassen konntest.

und ich würde nicht sagen, wieviel mir diese momente kosteten, welche wunden bei mir aufgerissen wurden, um die deinen zu lindern. wie es mich zerbrach, weil du nichts mehr, und ich selbst zuviel empfand.

„un::schuldig“ weiterlesen

Schatzi

Alltagsgeschichte & Versuch im Dialekt zu schreiben II: Telefongespräch eines Pärchens, wir lesen: die Stimme des Mannes, der zu/mit seinem Schatzi spricht.

schatzi, schau, des muass i dia azöhln, dea blede taxifora hot mi heit vui veroascht… z‘erst mocht er mi scho vui an, dass er net so lang wort’n wü, dabei woa i eh glei do… und dann foat er a net die obkürzung bei da gossn, sondan de lange streckn und bleibt bei jeda ampl steh’n… „Schatzi“ weiterlesen

erwartungen

es müsste genügen, dass wir zeit miteinander verbringen, und es müsste gleichgültig sein, wenn einer von uns entscheidet, nicht mehr zu wollen oder zu können. es ist mir nicht möglich, rein gegenwartsbezogen zu denken – zu sagen, dass es mir jetzt gut tut, dich zu sehen, und zugleich zu wissen, dass es nicht so bleibt. den sinn dahinter nicht zu erkennen, lässt mich jedes mal erneut schwindeln. es entspricht nicht unserem denken etwas nur als augenblick, als moment, ohne ziel, wahrzunehmen. ergibt das sinn?