un::schuldig

weil sie nicht hielten, sich stets im wandel befanden, bezweifeltest du die echtheit von gefühlen; weil deine maßstäbe an dich selbst, an andere unerreichbar waren, kamst du dir um dein leben betrogen vor.

gern hätte ich dir deine augen geöffnet – dir nicht nur erklärt, sondern gezeigt, dass es angenehmere wege gab, die wirklichkeit zu erleben; dass gefühle authentisch waren, auch wenn sie ihre intensität änderten; dass es nie falsch sein konnte, etwas zu empfinden, selbst wenn es nicht gespiegelt wurde-

aber dazu hätte ich meine eigenen verschließen müssen, um auszublenden, dass dein leben dir die sicht nicht bloß geraubt, sondern dich längst erblindet hatte.

dafür hätte es ein wunder gebraucht, und das konnte ich nicht sein, dazu fehlt mir der glaube. alles was zu tun blieb, war dich einen augenblick lang festzuhalten, damit du loslassen konntest.

und ich würde nicht sagen, wieviel mir diese momente kosteten, welche wunden bei mir aufgerissen wurden, um die deinen zu lindern. wie es mich zerbrach, weil du nichts mehr, und ich selbst zuviel empfand.


 

anmerkung zur textform: da es sich um eine einzelne szene handelt, und ich diese als solche relativ offen lassen wollte, habe ich die personalpronomen *ich/du* verwendet – mit Verwendung von spezifischen Namen und der 3 . Person Sg. hätte ich den Figuren zumindest ein spezifisches Geschlecht zugewiesen, was ich in diesem Fall aber nicht wollte.

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2 Kommentare zu „un::schuldig

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