Früher waren nur die Sätze falsch.

Sie sagen es ist wahr – also ist es wahr, wenn sie es sagen, denn was sie sagen ist, weil sie es gesagt haben, Gesetz. Niemand darf sich widersetzen gegen das, was wahr ist und das was wahr ist, ist wahr, weil ihre Wahrheit die einzig wahre Wahrheit ist. Deshalb macht es auch wenig Sinn sich zu wehren und aufzustehen, um gegen die Wahrheit zu protestieren und sich dabei als Lügner denunzieren zu lassen – denn dann: Kopf ab. Was bleibt also übrig? Nichts bleibt übrig. Nichts, denn alles was der Wahrheit widerspricht ist falsch. Und egal, wie man die Lüge behaupten will, es wird eine falsche Handlung sein und seine blutigen Folgen nach sich ziehen. Deswegen gibt es keine richtigen Handlungen, keine richtigen Worte und keine richtigen Lösungen. Es gibt nur falsche Handlungen, falsche Worte und falsche Lösungen, um sich der Wahrheit zu widersetzen und sie werden nachher dennoch lachen. Und sie werden neben dir stehen, dich zu Boden treten mit ihren Worten, dich blutig schlagen mit ihrer Arroganz, dich schlussendlich zum Schweigen bringen mit ihrer Affektiertheit. Und während sie Champagner trinken und auf ihre Wahrheit anstoßen, wirst du am Boden liegen bleiben und alles was du noch denken kannst, wird die Wahrheit sein. Ihre Wahrheit.

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Wahrheit. DIE Wahrheit(tm). Der Begriff ist heute leider nichts mehr, nur ein leerer Kampfbegriff.

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Distanz

collage

*txt.: Dominik Leitner hat das Projekt *.txt ins Leben gerufen – die Idee: alle drei Wochen wird ein neues Wort bekannt gegeben, und alle Teilnehmenden haben dann die darauffolgenden drei Wochen Zeit, sich einen Text aus der Tastatur zu klappern, der – in welcher Form auch immer – mit dem Wort in Verbindung steht. Die Links zu allen Texten finden sich gesammelt hier. Ich finde die Idee sehr kul, weil ich dadurch Anregungen zum Schreiben bekomme, und ich außerdem weitere Welten auf anderen Blogs, die auch beim Projekt mitmachen, entdecken kann.

Das sechzehnte (mein fünftes) Wort: Distanz.