01/2016: JANA

Eine fiktionale Geschichte zum Monat JAnuar

01/2016: JANA

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motivation 14: JETZT!

Ein altes chinesisches Sprichwort lautet: „Der beste Zeitpunkt einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Der zweitbeste Zeitpunkt ist genau JETZT!“ Und genau dieses Mantra will ich dir, liebster Leser, heute mit auf deinen Weg durch den manchmal sehr tristen Alltag geben – unabhängig davon, wie dein Leben bis jetzt verlaufen ist, welche angeblichen ‚Fehler‘ dich vermeintlich belasten, genau heute, genau in diesem Augenblick – also JETZT – ist der beste Zeitpunkt, das alles hinter dir zu lassen und neu anzufangen. Du wirst jetzt vielleicht denken: „Aber es ist doch schon viel zu spät. Ich hätte doch schon viel früher…“ Da hast du jedoch unrecht. Du hättest schon viel früher was? Den ungeliebten Job gekündigt? Dich aus deiner unglücklichen Beziehung befreit? Dich mehr um deine Kinder gekümmert? Endlich das gemacht, was du wirklich willst, dich aber nie getraut hast? Fakt ist, du hast nicht, noch wahrscheinlicher ist auch: du konntest zum damaligen Zeitpunkt nicht anders handeln als du gehandelt hast. So mag es zwar sein, dass der beste Zeitpunkt aus deiner jetzigen Sicht längst verstrichen ist, das ist jedoch nur deine persönliche Meinung. Ich verrate dir ein kleines Geheimnis, liebster Leser: sehr viel wahrscheinlicher ist, dass hinter deinem Satz „Jetzt ist es doch schon längst zu spät.“ Angst steckt – Angst davor, etwas zu tun, weil es doch viel bequemer ist, zu sagen, es wäre ohnehin gleichgültig als sich aufzurappeln und sein Leben in die eigene Hand zu nehmen. Aber ich sage dir: Du bekommst das hin! Vielmehr noch: Ich werde dir dabei helfen. Den ersten Schritt hast du ja längst gemacht, indem du diesen Artikel liest und dich aktiv mit dem Thema ‚Change‘ befasst. Sag JA zum Leben, deine JAJA #momo14 #jajaja

Jana las den letzten Satz nochmal durch, überlegte, ob das Grußwort zu plakativ, zu dick aufgetragen war, schob sich die Brille, die ihr wieder bis zur Nasenspitze gerutscht war, zurück, schüttelte unbewusst, wie als würde sie sich selbst antworten, den Kopf, trank eine winzigen Schluck aus ihrer überdimensionalen Teetasse, verzog die Mundwinkel, der Tee war einfach noch zu nahe am Siedepunkt, als dass es angenehm wäre, als dass sie etwas anderes als Hitze spürte, lehnte sich in ihrem Bürosessel zurück, hakte ‚#moma14 schreiben‘ von ihrer To-Do-Liste ab, überprüfte, was sie heute noch erledigen musste – den Newsletter für nächste Woche fertigstellen, Ideen für neue Beiträge sammeln, den Beitrag über schicksalhafte Wendungen fertigstellen, das Webinar zum Thema ‚Change Management‘ promoten, das kommende Woche starten würde, die Unterlagen dafür nochmal durchsehen. Aber das alles konnte warten, am wichtigsten war, dass sie zunächst ihren Indies antwortete oder ihnen Moti-Mails schrieb. Mittlerweile lief alles gut – sie hatte einen konstanten Kundenstamm von fünfzehn Indies – benannt nach INDIviduelle Betreuung, denen sie regelmäßige individuell abgestimmte Motivations-Mails schrieb. Die Häufigkeit, Uhrzeit und der Inhalt der Mails war immer spezifisch auf den jeweiligen Indie ausgerichtet – dabei ging sie auf die Lebensumstände der Personen und auch deren Ziele ein. Ferdi etwa, den sie seit einem Monat betreute, wollte unbedingt mit dem Rauchen aufhören, da er in acht Monaten Vater wurde. Er mochte jedoch keine langen Mails mit motivierenden Sätzen, sondern liebe kurze, prägnante positive Aussagen, am liebsten geschmückt mit einem dazupassenden GIF oder einem motivational Song. Außerdem wollte er zweimal täglich von ihr hören – also schrieb sie ihm immer um die gleiche Uhrzeit: einmal um 07:00 Uhr in der Früh und einmal um 07:00 Uhr abends. Sie schlug ihre Notizen zu Ferdi auf, schrieb – guter Song für Morgens?! – fügte den YouTube-Link ein,

 

öffnete die Website mit einer Sammlung von positive mentalen GIFS, wurde vom You’ve-Got-Mail-Standard-Geräusch ihres Smartphones unterbrochen, klickte automatisch auf den Tab mit ihrem Posteingang, sah das neue Mail mit dem Betreff – Heute ist wieder mal KEIN guter tag!!! – von Aurelia87@….com, öffnete das Mail, nippte erneut an ihrem Tee, befand, dass er inzwischen genügend ausgekühlt war, trank einen größeren Schluck, las das Mail, das nur aus einem Absatz bestand:

„… grade eine erinnerung bekommen, dass wir nächste woche gemeinsam urlaub gefahren wären. alles gut, und auf einmal blinkt mein handy und da steht es, solange hatten wir das schon geplant, dass wir gemeinsam eine woche einfach nur strandurlaub machen und chillen, ohne irgendjemand anderen – wann wird es endlich besser? warum fehlt sie mir so?? 😦 was läuft bei mir falsch, dass ich es einfach noch immer nicht verarbeitet hab?…und ich habe morgen eine wirklich WICHTIGE präsentation, wie soll ich mich darauf konzentrieren? ich fühle mich so schlecht, als würde ich nichts schaffen :/“

Jana schloss kurz die Augen, seufzte, holte Luft, fühlte eine nur allzu bekannte Unruhe in ihrer Bauchgegend, ein Kribbeln, ein ungutes Gefühl, den beginnenden Schwindel in ihrem Kopf, trank einen weiteren Schluck Tee, stand auf, streckte sich, machte fünf Hampelmänner und fünf Kniebeugen, setzte sich wieder, klickte auf ‚Antworten‘, kalkulierte, wie viel Zeit sie noch hatte, auf jeden Fall genug um zurückzuschreiben, tippte die erste Zeile:

„Liebe Aurelia“

Aurelia war eine ihrer ersten Indies gewesen, sie betreute sie nun schon seit einem halben Jahr, Aurelia hatte ihr kurz nach dem Tod ihrer besten Freundin zum ersten Mal geschrieben, fühlte sich schuldig, weil die beiden sich davor gestritten hatten, konnte es nicht verarbeiten, schrieb ihr noch immer fast täglich, aber immerhin besser als zu Beginn, als sie ihr fast stündlich geschrieben hatte, für Aurelia war es nur wichtig, dass Jana sofort antwortete, der Inhalt war weniger relevant, Aurelia brauchte nur jemanden, der da war, der sich anhörte, was sie zu sagen hatte, nachdem alle anderen in ihrem Umfeld mittlerweile verlangten, dass sie damit abschloss, dass sie es schon längt hinter sich hätte lassen sollen, weil schon soviel Zeit vergangen war, also versteckte Aurelia ihre Wut und ihre Trauer im Alltag hinter einer lächelnden Fassade, die Mails an Jana waren ihr Ankerpunkt, ihr Ventil, um mit ihrer Trauer umzugehen,

„auch wenn es sich momentan gerade nicht so anfühlt, weißt du, dass du im letzten halben Jahr sehr viel erreicht hast! Wirf einen Blick auf die Liste mit den positiven Ereignissen, die wir gemeinsam erstellt haben. Du bist nicht umsonst befördert worden, weswegen auch die Präsentation morgen sicher ein Kinderspiel für dich wird! Du bist die Beste und das wissen wir beide!
Nimm dir heute Abend doch einfach frei für dich und Susi. Erlaube dir, darum zu trauern, dass ihr nicht gemeinsam auf Urlaub fahren könnt. Jeder von uns braucht seine eigene Zeitspanne um mit Schicksalsschlägen fertig zu werden und ich versichere dir, dass mit dir nichts falsch läuft!
xoxo
deine JAJA“

Jana runzelte die Stirn, war unzufrieden, drückte dennoch auf Senden, schaltete ihr Smartphone auf lautlos, schaltete ihren Computer aus, legte sich auf den weichen Teppich vor ihrem Schreibtisch, seitlich, betrachtete die Staubknäuel, die sich in der Ecke unter ihrem Schreibtisch gebildet hatten, streckte die Hand danach aus, betrachtete das Staubknäuel in der Hand, spürte wie die Unruhe in ihr stärker wurde, wie sie ihr den Atem abschnürte, wie der Schwindel in ihrem Kopf sich ausbreitete, alles umfasste, versuchte, sich auf den Staub zu konzentrieren, atmete langsam ein und aus, befahl sich selbst, aufzustehen, schwankte, tapste zur kleinen Kochnische, holte ein neues, leeres Marmeladenglas, öffnete den Deckel, legte das Staubknäuel hinein, öffnete die Tür zu ihrem Sicherheitszimmer, stellte das Glas zu den anderen ins Wandregal, schaltete den Fernseher ein, schloss die Tür hinter sich, schlüpfte unter die Decke, schraubte den Verschluss von den Schmerztabletten, nahm eine, wartete, sah abwechselnd zum Fernseher und zu den Staubgläsern, spürte wie der Schmerz langsam ihre Wirbelsäule hinaufkroch, wie alles heiß wurde, legte sich in Embryostellung auf die Matratze, begann, Gedichte zu rezitieren, spürte wie der Schmerz stärker wurde, schrie, drehte sich, alles drehte sich, versuchte ruhig zu atmen, dachte daran, dass es in ein paar Stunden vorbei sein würde, dass sie schlafen würde, dass sie schon lange keine Attacke mehr hatte, dass sie die kommenden Wochen wohl Ruhe haben würde.

Sie wusste nicht mehr genau, wann es angefangen hatte. Mittlerweile war es schwer für sie, sich eine Zeit vorzustellen, in der nicht der Schmerz ihren Alltag bestimmt hatte, in der sie sich hatte frei bewegen können, am Anfang war nur dieser leichte Schwindel gewesen, eine Unruhe, dann war der Schmerz gekommen, hatte sie gequält, aber jeder Arztbesuch war erfolglos gewesen, keine körperliche Ursache konnte gefunden werden, alles was blieb, war Symptombekämpfung, irgendwann hatten sich alle von ihr zurückgezogen, zu schwierig war es gewesen, in ihrer Nähe, immer aus Angst vor der nächsten Attacke, davor, zu sehen, wie sich ihr Gesicht verzog, sich ihr Rücken krümmte, sie nichts tun konnte, außer still daliegen und warten, wie es für alle anderen zu hart gewesen war, nichts für sie tun zu können, aber sie hatte sich, so gut es ging, mit ihrer Situation arrangiert, konnte von ihrem Motivationsblog, den Webinaren und den Indies leben, hatte ihre winzige Wohnung bestehend aus einem Raum und der Abstellkammer, die sie zu ihrem Sicherheitszimmer umfunktioniert hatte – schalldicht, damit sie schreien konnte, ohne jemanden zu stören – hatte ihren Betreuer Denis, der wöchentlich bei ihr vorbeischaute, ihr die Einkäufe brachte, mit ihr redete. Sie hatte ihre Wohnung schon seit 234 Tagen nicht mehr verlassen, zog die Kuscheldecke über ihren Kopf, drückte die Wärmeflasche fester an sich, murmelte: „alles wird gut, alles wird gut“ bis sie einschlief.

motivation 15: DREAM!

 „Träume sind Schäume!“ sagt man so daher und meint damit, dass es besser ist, realistisch zu bleiben, am Boden der Tatsachen. Menschen, die sich daran klammern, haben ihre eigenen Träume und Wünsche schon aufgegeben. Träume sind aber mehr als nur Schäume, Träume können unser Antrieb sein, etwas in unserem Leben zu verändern. Deswegen habe ich heute – im moma15 – eine kleine Aufgabe für dich, liebster Leser: TRÄUME! Und um konkreter zu werden: Setz dich einfach mal hin, nimm dir soviel Zeit, wie du erübrigen kannst, und los geht’s: Schreib einfach mal deine Träume auf, ohne auf die Stimme in deinem Hinterkopf zu achten, die leise flüstert: „Aber das ist doch überhaupt nicht umsetzbar!“ Darum soll es nämlich im Moment gar nicht gehen, sondern eher darum, dir darüber klar zu werden, was du wirklich willst. Und wenn du dich immer nur mit dem Möglichen und nie mit dem Unmöglichen auseinandersetzt, verpasst du vielleicht Möglichkeiten. Wenn du die Träumeliste fertig hast, lege sie zur Seite. Mach eine kurze Pause und setz dich nochmal vor sie. Überlege nun, was davon wirklich erreichbar ist und auch, was du aufgeben oder benötigst, um den Traum zu verwirklichen. Du wirst sehen, dass nicht alle deine Träume umsetzbar sind, etwa wenn du dir wünschst, einmal durch das Universum zu fliegen. Aber andere Sachen vielleicht doch: Du wolltest schon immer einen Roman schreiben, denkst aber, du hast dafür nicht genügend Zeit? Oder eine Weltreise machen, denkst aber, dass dir das Geld dazu fehlt? In der kommenden Woche werde ich passend zum Moma zwei Blogbeiträge veröffentlichen, in denen ich dir beschreiben werde, wie du deinen Träumen, die dir unerreichbar scheinen, näherkommen kannst! Also halte deine Träumeliste bereit! Sag JA zum Leben, deine JAJA #momo15 #jajaja

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