SCHÖNEN

wir spiegeln uns nur mehr im blauen licht, und. ich schreibe ihm, „gestern habe ich meinen namen vergessen“, weil. so fängt es doch immer an, nicht? so war es gedacht, ja

I. malen

wir tanzen, aber. keiner von uns kann führen, nur verführen, wo soll das hin hin hin?, wir werfen alles unter den tisch und kehren alles über bord, „irgendwas stimmt nicht“, so ich, dann wird es still, weil wir sind in einer mineralwasserflasche gefangen

was ich liebe, was ich schreibe, luftleerer raum, man sagt ja vieles, wenn der tag lang ist, nicht? also kürze ich die stunden um 37 centimeter, aus den stoffresten bastle ich ihm eine freiheit, aber sie fliegt nicht, im vakuum

er sagt: „ware“, ich sag: „liebe“, dann beobachten wir die spinnen, wie sie ihre netze malen, während über uns die sterne wären, aber. wir brauchen keinen himmel mehr, wir haben vernetzungen. ich klaue das „h“ von seiner hand und sag „wahre“, er sagt: „au“

II. brechen

er zählt mich runter wie nichts, ich ziehe die vorhänge zu, unsere umrisse, sind wir das? oder sind wir das lachen, der eistee, seine zigaretten, ich sehe ihm zu, wie er sie dreht, ich sage, davon bin ich schwindelig, er fragt mich, ob. ich will

was atme ich ein, mikroplastik, auf ihm, auf mir, „sag mal, was ist deine augenfarbe, wenn du willst, dass ich dich dabei ansehe? sag mal, wenn wir uns verdrehen, warum erschüttert es uns nicht? sag mal lieber nichts, zähl uns lieber auf“

was ich ihm alles verzeihe, solange es nur schön formuliert ist (zu vieles), nichts kann ich, zum prinzip erheben, inkohärent, inkonsequent, das dafür aber radikal, nicht? mein gefühl bricht mir jedes mal mein rückgrat, symptomatisch schmerzt der rücken, nie das herz, nie der kopf

III. kleben

ich sehe wolken, und will fragen, was er in ihnen erkennt, einen bären? einen wolf? einen elefant? aber dann ist das doch nur nebel, am himmel, und wir sind nicht, unfassbar, ich huste, er raucht, unser sauerstoff wird knapp, er wird nicht reichen

ich stelle überall eimer auf, weil es durch die decke tropft, dann. ich sehe zu, wie sich einsamkeit anfüllt, in den eimern, und leere sie in die wanne, später bade ich in ihr, mit einem schaumbad, das ich im internet bestellt hab, meine haut brennt TOT TOT TOT

„was du mir bedeutest–“ wie oft wurde das schön geschrieben? ich will es noch schöner schreiben und besuche einen kurs über kalligraphie, aber dann falte ich doch lieber kraniche. “wieviele?“, fragt er und strahlt dabei so, dass es mich zersetzt, bevor ich antworten kann: 1000

IV. aufhängen

er fragt, als was ich mich sehe, als schreiberin? als frau? “ich sehe nicht, ich habe keine blicke, die hast du“, entgegne ich, darauf sticht er sich die augen aus, blicklos weinen wir, um uns 

„warum ich schreie? wegen uns, innen, und. weil wir aber. nur, warum schreist du denn nicht?“ ich vermisse seinen verfärbten blick, auf uns, auf mich, deswegen kaufe ich seine lieblingsfarbe und male mich damit an

und würde ich ihm schreiben, jede antwort von ihm würde mich umarmen, und. mir halt geben, also, schreibe ich ihm nicht, weil. es ist nicht seine aufgabe, ich muss alleine gehen können

***

das ist ein beitrag zum projekt *.txt: das wort lautet anfang.

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