grausam (he calls it hideous) III

I.

„Ach komm, Mädl, du bist einfach viel zu sensibel. Wenn du denkst, dass das schon schlecht behandeln ist, wie ich mich dir gegenüber verhalten habe. Wenn du das denkst, dann hat dich noch nie jemand richtig schlecht behandelt.“

II.

„Na, du bist ein bisschen schüchtern, oder? … doch, doch würd ich schon sagen, so wie du gelesen hast – du bist noch ein bisschen unsicher darin, das merkt man daran, wie du deinen Text vorgetragen hast. Aber das ist ja irgendwie auch süß, finde ich. Du hast sicher eine sehr weiche, zarte Haut … ha, du magst das wohl nicht, wenn dich jemand berührt wie? Ich finde es ja immer aufregend, Menschen einfach mal so aus der Verfassung zu bringen … Ach, du geht schon nach Hause? Wie schade, ich wollte doch noch unbedingt mit dir tanzen, dann muss ich mir halt jemand anderen dafür suchen.“

III.

„Das liegt überhaupt nicht daran, wie sich die anderen dir gegenüber verhalten. Das liegt einzig und allein an dir und wie du damit umgehst. Sieh‘ es doch einfach als Kompliment! Du könntest so eine großartige Frau sein, aber du führst dich immer so auf, als wärst du ein Opfer. Du wirst nie glücklich sein, wenn du so weitermachst wie bisher.“

IV.

„Haha, nein, ich denke, es ist besser, Sie machen das Interview. Nichts gegen Ihre hübsche Kollegin, die kann das sicher auch gut, aber was soll denn meine Frau davon denken, wenn mich so ein junges, gutaussehendes Mädchen interviewt?“

V.

„Das ist nicht meine Meinung, sondern die Wahrheit, du Dummerchen ;)“

VI.

„Im Gegensatz zu anderen Männern bin ich ja ein Feminist. Ich verstehe euch Frauen ja und ich setze mich für Gleichberechtigung ein … Also wie wär’s, wenn du jetzt mal aufhörst, rumzuzicken und dich ausziehst! Weil ich will jetzt mit dir schlafen und dass wird ja wohl nicht zu viel verlangt sein von dir, wenn ich nach einem anstrengenden Tag Sex haben will“

(inspired by david foster wallace: brief interview with hideous men)
Teil I und Teil II

entzünden /

eine geschichte als starter : die sätze legen sich auf meinen körper wie magnesiumsplitter; der letzte punkt entzündet das feuer; in sekunden FRESSEN sich die flammen durch das plastik, das mich umwickelt : ich ein inferno

ich stehe erneut ‚vor der letzten aller türen’ mit anderen entzündeten : wir spielen „was-wäre-gewesen-wenn“; wenn wir denken, dann eine welt, in der wir von diesem ort nicht wussten : „warum“ ist hier keine frage, sondern die einzige antwort

der geruch nach verbranntem FLEISCH erinnert noch einige tage : die verletzungen liegen längst wieder luftdicht verpackt unter kunststoff; mit jeder schicht steigert sich die taubheit : darunter schwelen erschütterungen; darunter klingt schuld nach

(was immer bleibt? die angst vor entzündungen)

 

projekt *.txt: das wort lautet splitter.

 

weg / legen

weg / legen (eine anleitung für stadt-land-stadt)

es sei also eine liebende, die dort und hier fortschreibt:

moira steht h (stumm) quer geschrieben : seit der andere mir das warum mit Korrektur erklärte, versuche ich Nichts, mit bier umzuschreiben; was wartet dort noch? in meiner grauen stadt ohne meer, wo holzfällen von schwarzer bedeutung trieft; auf den sofas von freunden und zwischen worthülsen (sans signifié) liegt dennoch der glaube an ein zuhause begraben;

das talparadoxon auflösen als einsame heroine : wut als gradientkraft im kampf gegen ewiggestrige windräder und alle fragen der liebe wegen (ABWEGE sind es, die in gründe führen); gepflückte tage gewährt hier einzig der könig, dafür bekommt er Weiße Nächte geschenkt; zug um zug spielend, bis unklar wird, will ich den könig rochieren oder die revolution?

ubahnlinien auf der suche nach einem ausweg folgend : „meine liebe“, begrüßt verschwommen die stadt mich zum abschied?, in der jeder woanders beginnt, aber jeder gleich endet, der fokus läge dort auf dem text, aber was stimmt: Nichts, war bemüht unfassbar; wie eine mauerwolke, die zum tornado werdend male gaze evoziert AUGE @

ich lege weg oder
leg’ einen weg?

(ich spiel’ seit unlängst
ohne karten)

sein / stehen

sein / stehen (eine irritation als remix)

dieses Nichts zwischen uns scheint bedrohlich verschwommen : unumkehrbar schwimmen frei wie ?, während wir den staub der klassiker zwischen unseren zähnen zermahlen, lautet der current state of mind peripetie, das gefühl nahender finsternis verdrängen wir, indem wir über LEICHEN schreiben

sich mit tinder subkutan hyposensibilisieren : aber sie haben alle keine gesichter, sie haben alle keine gesichter! narrative miteinander, aber nie ineinander verweben – wie ein profi, du machst das schon wie ein profi!!! – seriell permutierend, „einzahl, mehrzahl, vielzahl, unzahl“ mit KÖRPERN nachspielen

unsere abgetreppten mauern schlussendlich doch bang hinuntersteigen : auf der suche nach etwas-zum-begehren; unter jeder unserer stufen befindet sich eine falltür und wir kippen hinein und kippen nach unten und kippen zurück hinauf und schließlich kippen wir nicht in-, sondern einander

Nichts steht
(mehr)
Nichts ist
(mehr)
zwischen uns
(mehr)

lösungsmittel

die theorie (wikipedia) sagt uns:
als eine physikalische eigenschaft der alkohole gilt die hydrophilie, das heißt, alkohole sind bindungsfähig, sie sind in der lage mit wasser wasserstoffbrückenbindungen einzugehen, wobei gilt, dass je höher die zahl der hydroxylgruppen eines alkohols, umso mehr wasserstoffbrücken können gebildet werden.

die praxis (leben) lehrt uns:
wir trinken alkohol, wir versuchen uns (wie alkohole) :
wir sind auch hydrophil, wir wollen wasser als lösungsmittel,
wasser als lösung : „reich mir doch
noch ein
noch ein
noch ein
noch ein
noch ein
glas, bitte!“
wir interagieren : wir schwimmen obenauf, wir gehen unter,
aber wir bleiben
nicht wasserlöslich, wir können wasser nicht an uns ziehen, wir können wasser nicht an uns binden, wir versuchen es trotzdem, wir versuchen uns weiter, denn :
wir sind hydrophil.

***

das ist ein beitrag zum projekt *.txt: das vierte wort lautet: alkohol.

 

 

Endzeit.

Ihre Schuhe sind voll Blut, matsch matsch bei jedem Schritt.
Ihre Hose ist voll Blut.
Ihr Pullover ist zerrissen; ihre linke Hand gebrochen.
Ihre rechte Hand schleift seinen leblosen Körper hinter sich her gleich wie sie als Kleinkind ihren überdimensionalen Teddybären hinter sich hergezogen hat.

– FLASHBACK –

Er: Wartest du schon lange?
Sie: Nein…
Er: Ist alles in Ordnung?
Geht es dir gut?
Sie: Ja. „Endzeit.“ weiterlesen