HORROR VACUI

ich fülle UNS : mit verzierten, verschnörkelten wörtern auf niemand inspiriert mich so wie du funke ich – aber er ist als mensch verkleidetes LÖSCHPAPIER : während ich ornamente male, saugt er mich

AUS

zurück aber bleibt : ICH, ein leerer raum, der unbeschreibbar besteht mit meine liebe, wir sehen uns – aber nicht wieder schwingt einzig er sich als QUERWELLE : durch die abwesenheit in meinem kopf, bis ich mich

STILLE

 

(oder war er : das lösungsmittel
für meinen fehlenden mut
zur freien fläche?)

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TANZEN AUF DER BALKONAGE

(KUBATUR, in „Verona“)

Wir bauten uns was auf, wir bauten uns ein HAUS. Und? Das hatte sogar einen BALKON. Aber? Der war an der Außenwand angebracht. Und? Ich war dort ausgesperrt. Er ließ mich nicht hinein, er wollte nicht, dass ich das Interieur sehe. Aber? Ja, dort zu warten. Ja, dort vor Sehnsucht zu vergehen: Das war ROMANTISCH. Und? Einsam. Aber? Keines. Und? „Bleib’ auf dem Balkon Julia“, schrieb er mir. Aber? Dafür war es längst zu spät.

(NEUBAU, in „Planung“ )

Und? Ich hab aus eurer Julia eine Sirene gemacht, sie kann nun jede Stimme singen. Aber? Die Häuser stehen noch, die BALKONAGE auch. Und? Vorhang auf! In jeder Stadt tanzt sie auf einem anderen Balkon. Aber? Eure Häuser interessieren sie herzlich wenig, net bös’ sein, bussi. Und? There is no difference between ANBAU and VORSATZ. Aber? „Lehn dich nicht zu weit übers Geländer“, wird sie gewarnt. Und? Sie passt eh auf. Sie will ja nicht. Aber.

AUF WELCHER SEITE DER JALOUSIE?

AUF WELCHER SEITE
DER JALOUSIE?

ich hab dir nie erzählt, wie oft ich mich für uns entschieden habe, ziehe ich die endlosschnur solange im kreis, bis du mich FREI im blick hast, ohne sichtschutz zeige ich mich OFFEN. dann erzähl es mir! erzähl es, aber mit mehr wörtern, verlangst du, weiter, öffne dich noch ein bisschen weiter. zu schnell kleben wir an unseren händen, triefen wir aus unseren fingern, aber als text, in unseren köpfen treiben wir

(manchmal immer noch)

ES, nur unsere körper : reminiszenzen wen vermissen sie, während wir uns gegenseitig als papeterie benutzen? fragen wir nicht, sondern verwechseln es – papier ist geduldig! unser papier ist so, so geduldig! – lieber mit peripetie, schreiben uns als einzigartige anagnorisis. blende mich weiter ein! MEHR! MEHR! MEHR!, ziehen wir immer heftiger (an uns), während wir ausblenden, dass es keine katharsis mehr gibt

wir streuen trotzdem weiter TEXTE in unsere wunden
abwesenheiten bleiben aber nie auf derselben seite

sein / stehen

sein / stehen (eine irritation als remix)

dieses Nichts zwischen uns scheint bedrohlich verschwommen : unumkehrbar schwimmen frei wie ?, während wir den staub der klassiker zwischen unseren zähnen zermahlen, lautet der current state of mind peripetie, das gefühl nahender finsternis verdrängen wir, indem wir über LEICHEN schreiben

sich mit tinder subkutan hyposensibilisieren : aber sie haben alle keine gesichter, sie haben alle keine gesichter! narrative miteinander, aber nie ineinander verweben – wie ein profi, du machst das schon wie ein profi!!! – seriell permutierend, „einzahl, mehrzahl, vielzahl, unzahl“ mit KÖRPERN nachspielen

unsere abgetreppten mauern schlussendlich doch bang hinuntersteigen : auf der suche nach etwas-zum-begehren; unter jeder unserer stufen befindet sich eine falltür und wir kippen hinein und kippen nach unten und kippen zurück hinauf und schließlich kippen wir nicht in-, sondern einander

Nichts steht
(mehr)
Nichts ist
(mehr)
zwischen uns
(mehr)

Endzeit.

Ihre Schuhe sind voll Blut, matsch matsch bei jedem Schritt.
Ihre Hose ist voll Blut.
Ihr Pullover ist zerrissen; ihre linke Hand gebrochen.
Ihre rechte Hand schleift seinen leblosen Körper hinter sich her gleich wie sie als Kleinkind ihren überdimensionalen Teddybären hinter sich hergezogen hat.

– FLASHBACK –

Er: Wartest du schon lange?
Sie: Nein…
Er: Ist alles in Ordnung?
Geht es dir gut?
Sie: Ja. „Endzeit.“ weiterlesen

grausam (he calls it hideous) II

I.

„Eine so hübsche Frau wie du sollte sich ihren Kopf nicht über Politik zerbrechen.“

II.

„Erklär’s mir bitte. Ich will wirklich wissen, was ich hätte anders machen sollen. Ich verstehe einfach nicht, warum dich das jetzt verletzt. Ich wollte dir halt nichts vorspielen, weißt du? Es liegt auch nicht an dir – du bist perfekt – es liegt ganz allein an mir. Ich bekomm‘ das mit der Nähe einfach nicht auf die Reihe. Und ich fühle einfach nicht genug. Es ist einfach nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Klar, es wäre vielleicht besser gewesen, dir zu sagen, dass ich dich nicht wirklich will, bevor wir ficken. Aber du kannst doch nicht verletzt sein, wenn ich doch einfach nur ich bin.“

III.

„Da red‘ ma dann drüber, wennst amal Kinder hast. Des kannst du jetzt ja noch gar net verstehen.“

IV.

„Man sieht ja, wo deine Prioritäten liegen. Wenn dir wirklich etwas an anderen Menschen, an deiner Familie, wenn dir etwas daran liegen würde, dann hättest du nicht drei Studien abgeschlossen. Dann würdest du jetzt nicht versuchen, Karriere zu machen. Du würdest nicht für’s System arbeiten, sondern etwas Sinnvolles mit deiner Zeit anfangen. Aber du wirst schon sehen: Es wird mal die Zeit kommen, da wirst du es bereuen, dass du keine Kinder hast. Da wirst du bereuen, dass du jemals studiert hast.“

V.

„So ab 25 ist für Frauen die beste Zeit einfach vorüber. Das sieht man halt einfach, dass die dann voll nicht mehr attraktiv, sondern einfach nur alt sind.“

VI.

[insert censored section here]

 

(inspiriert von David Foster Wallace: brief interviews with hideous men)