kitschig, schön

I. unsere risse

wovor ich angst habe? dass deine wörter mich zerschneiden, also schreibst du mir zuckersüße nachrichten, und meinst, die kleben mich schon wieder zusammen, wir, soviel zucker, dass ich erst recht breche

was weiß ich schon über gefühl, außer, dass es reißt, an mir, an dir, schöne risse, schütten wir sie mit lava zu, du sagst: “ich sag stopp, wenn es passt“, aber ich weiß ja nicht mal, wie du deinen kaffee trinkst, vertrau mir doch nicht

ich werde kalt, aber nur damit du mich aufwärmst, nur meinst du, deine hitze reicht nicht und schenkst mir einen vulkan, jetzt warten wir auf seinen ausbruch, und füttern uns mit popcorn

II. unmittelbar, danach

in deinen augen meine augen, meine sehnsucht nach der gegenwart, ich entferne mich, von uns, aber es bleiben flecken, du sagst: “lass uns, springen, aber ohne bewusstsein“, also suchen wir einen abgrund, um hineinzufallen

meine unmittelbarkeit, danach. wie tief kannst du schlafen? ich: 14 kilometer, dann. immer dieses zweifeln, ob. soll ich fragen: „bitte, deck uns zu?“ oder: „deck uns auf?“ immer diese hitze, diese kälte, “wir sind keine amphibien“, sagst du. ich schnure, aber als roter faden

ich schreibe dir, dass ich das nicht mehr will, weil. alles, was ich will, ist ingwertee und seiten, die mich schneiden. du kaufst mir papier, wir machen konfetti, und liegen am boden, bis wir fliesen werden

III. unsere stille

was ist ein wort? für mich: zuckerwatte, aber aus salz, der stand: unter der erde, ich frag dich, ob du auch willst, aber du hast angst vor karies, ich denke, umso besser, umso besser, bleiben mehr wörter für mich (aber dann isst du die hälfte von meiner)

ich kaufe fleckenentferner, verbilligt, weil. ich will die entfernung zwischen uns flecken, du sagst: „nichts, was ich täte, ergäbe noch sinn für dich“, also lese ich dir camus vor, bis ich im steinregen erschlagen werde (wir waren nie, auf der erde)

„am besten kann ich schweigen“, meine ich, und. du sagst „so ein zufall, so ein zufall, ich kann das auch am besten“, dann. werden wir ganz ruhig, und. zwischen uns breitet sich eine stille aus, die leuchtet, so schön, dass ich denke, ich will für immer nie mehr mit dir reden

***

das ist ein beitrag zum projekt *.txt: das wort lautet kitsch.

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SCHEINEN

SCHEINEN
(ein twitter-remix)

ich finde den anfang nicht, also bleibt nur die schere

ich, chronisch gebrochen

ihre illusionen sind unwirtliche orte für mich : bleibt keine vorstellung, denn ich bin das gegenteil von scheinen, mich wollen die nicht

ich bin immer die im raum, die nicht im raum ist : ich kann nichts für mich einnehmen, aber ich schlucke gefühle auf ex ohne zu würgen

ich fange an, zu regnen, wie. man sagt, es fängt an, zu weinen, und. meint mich, das püppchen, und man sagt auch, dreh dich! (ich bin schwindelig)

ich versuche mich, an wörtern : kein einziges hält mich, aus. ich weine, nur. selbst das entgleitet mir

ich bin chronisch, dagegen kann mann nichts machen

meine liebe, nicht ich

schein, aber immer nur als bar : wir scheinen bei bier; wir zahlen bar. wir sind scheinbar, wir sind nicht

wie ich dir zusehe, wie du versuchst, im leerlauf über einen kurzschluss zu fahren. sie nennen uns betäubung, wir benennen uns gar nicht

die abwesenheiten in meinem kopf, immer wenn ich nicht aufpasse, unterschreibe ich alles mit deinem namen

und, wann das aufhört, weh zu tun. ich stelle mir eine stadt vor, und. irgendwann will ich sagen : ich habe mich entfernt. von uns

wir sind meine lieblingsfloskel : du glimmerst, ich blende. AUS

ich gestehe aber, dass ALLES gelogen ist

UND

Nach meinem Alter hatte er mich gefragt, und. Dann gemeint, dass es gut sei, dass ich jünger wäre als er. Auch wenn es nur drei Monate waren, aber dass. Ich war zumindest jünger, und. Mich hatte es traurig gemacht, dass ihm das wichtig war; dass es für ihn von Bedeutung war, dass ich jünger war als er. Dass diese Frage für ihn entscheidend war, dass er diese Frage stellte, und nicht die Frage, welche Farbe Einsamkeit für mich habe.

Heißes Wasser, und. Dass das viel zu heiß sei, da würde man sich doch verbrennen, ob ich das zurückdrehen könne?, so er, und. Entschuldige, so ich. Er solle einfach die Temperatur einstellen, die für ihn angenehm sei, so ich, das passe für mich dann auch. Was folgt, kann ich, uns in eine Duschszene setzen, because. Dass das nicht gesund sei, für mich, diese viel zu hohen Temperaturen, das wisse ich aber schon, oder?, so er, danach. Ich weiß, ja, antworte ich immer. Ich weiß.

Der Einfluss der Medien, und. „Lass uns was Neues ausprobieren“, so ich, und lege somit das Setting für diese Szene fest : eindeutig. „Was?“, so er. „Weißt du, ich hab das so schon in unzähligen Büchern gelesen. Jedenfalls sollten wir Bataille zitieren, entweder während wir vögeln oder als Vorspiel, weil.“ „Ich hab das Gefühl, du konsumierst zu viele Bücher“, so er, und dann : Citation needed.

HORROR VACUI

ich fülle UNS : mit verzierten, verschnörkelten wörtern auf niemand inspiriert mich so wie du funke ich – aber er ist als mensch verkleidetes LÖSCHPAPIER : während ich ornamente male, saugt er mich

AUS

zurück aber bleibt : ICH, ein leerer raum, der unbeschreibbar besteht mit meine liebe, wir sehen uns – aber nicht wieder schwingt einzig er sich als QUERWELLE : durch die abwesenheit in meinem kopf, bis ich mich

STILLE

 

(oder war er : das lösungsmittel
für meinen fehlenden mut
zur freien fläche?)

TANZEN AUF DER BALKONAGE

(KUBATUR, in „Verona“)

Wir bauten uns was auf, wir bauten uns ein HAUS. Und? Das hatte sogar einen BALKON. Aber? Der war an der Außenwand angebracht. Und? Ich war dort ausgesperrt. Er ließ mich nicht hinein, er wollte nicht, dass ich das Interieur sehe. Aber? Ja, dort zu warten. Ja, dort vor Sehnsucht zu vergehen: Das war ROMANTISCH. Und? Einsam. Aber? Keines. Und? „Bleib’ auf dem Balkon Julia“, schrieb er mir. Aber? Dafür war es längst zu spät.

(NEUBAU, in „Planung“ )

Und? Ich hab aus eurer Julia eine Sirene gemacht, sie kann nun jede Stimme singen. Aber? Die Häuser stehen noch, die BALKONAGE auch. Und? Vorhang auf! In jeder Stadt tanzt sie auf einem anderen Balkon. Aber? Eure Häuser interessieren sie herzlich wenig, net bös’ sein, bussi. Und? There is no difference between ANBAU and VORSATZ. Aber? „Lehn dich nicht zu weit übers Geländer“, wird sie gewarnt. Und? Sie passt eh auf. Sie will ja nicht. Aber.

AUF WELCHER SEITE DER JALOUSIE?

AUF WELCHER SEITE
DER JALOUSIE?

ich hab dir nie erzählt, wie oft ich mich für uns entschieden habe, ziehe ich die endlosschnur solange im kreis, bis du mich FREI im blick hast, ohne sichtschutz zeige ich mich OFFEN. dann erzähl es mir! erzähl es, aber mit mehr wörtern, verlangst du, weiter, öffne dich noch ein bisschen weiter. zu schnell kleben wir an unseren händen, triefen wir aus unseren fingern, aber als text, in unseren köpfen treiben wir

(manchmal immer noch)

ES, nur unsere körper : reminiszenzen wen vermissen sie, während wir uns gegenseitig als papeterie benutzen? fragen wir nicht, sondern verwechseln es – papier ist geduldig! unser papier ist so, so geduldig! – lieber mit peripetie, schreiben uns als einzigartige anagnorisis. blende mich weiter ein! MEHR! MEHR! MEHR!, ziehen wir immer heftiger (an uns), während wir ausblenden, dass es keine katharsis mehr gibt

wir streuen trotzdem weiter TEXTE in unsere wunden
abwesenheiten bleiben aber nie auf derselben seite

sein / stehen

sein / stehen (eine irritation als remix)

dieses Nichts zwischen uns scheint bedrohlich verschwommen : unumkehrbar schwimmen frei wie ?, während wir den staub der klassiker zwischen unseren zähnen zermahlen, lautet der current state of mind peripetie, das gefühl nahender finsternis verdrängen wir, indem wir über LEICHEN schreiben

sich mit tinder subkutan hyposensibilisieren : aber sie haben alle keine gesichter, sie haben alle keine gesichter! narrative miteinander, aber nie ineinander verweben – wie ein profi, du machst das schon wie ein profi!!! – seriell permutierend, „einzahl, mehrzahl, vielzahl, unzahl“ mit KÖRPERN nachspielen

unsere abgetreppten mauern schlussendlich doch bang hinuntersteigen : auf der suche nach etwas-zum-begehren; unter jeder unserer stufen befindet sich eine falltür und wir kippen hinein und kippen nach unten und kippen zurück hinauf und schließlich kippen wir nicht in-, sondern einander

Nichts steht
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Nichts ist
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zwischen uns
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