frostnächte

ich texte violett : früher war alles kobaltblau, jetzt färbt sich alles pink rot („a wound is neeeded for infection“) / eigentlich will sie nur über dinge schreiben, die nicht in ihrem kopf sind / ich versuche, meine gefühle umzuweiseln, weil sie sagen, dass es wieder KALT werden wird / es kann nur eine königin geben, für sie bleibt nur S. als krönung 

es ist nie zu spät, sie soll ihre geschichte trotzdem erzählen / wahrscheinlichkeitsbaum : windbruch : schneebruch : blitzschaden : AXT / was eingeschrieben ist in ihren körper, müsste sie genauestens beobachten / ich verwende bier als frostschutzberegnung, ich gebrauche tinder als frostkerze (beides bleibt ein wirkungsloses aber)

ich steige auch in einen zug, steige auch wieder aus, komme auch bei Niemanden an / bedrohlich, bedrohlich wie S. für sie ausweg und ausweglos ist / nur Niemand fällt sichtbar in ich beobachtend : beobachtetes ich, was bleibt, ist immer nur PRÄZISION / gegen ihre infektion, gegen ihr er:frieren gibt es keine adäquaten methoden

ich verbringe die nächte mit FROST oder,
FROST verbringt seine nächte in mir

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Ins Wasser (Eine Geschichte über S.)

Das ist mein erster Beitrag zum Projekt *.txt im Jahr 2017.
Das erste Wort lautet Hoffnungsschimmer.

***

Anmerkung I: S. steht für Sehnsucht, Schuld und Suizid.
Anmerkung II: Drei Bruchstücke einer Geschichte_

Ins Wasser
(Eine Geschichte über S.)

Aus den Chroniken der Wassergänger:

Das Wasser schimmert, glitzert, es kräuselt sich, wirft Wellen, bezwingt Steine, höhlt Hindernisse aus und flüstert leise Botschaften. Alles um die Menschen zu verführen: Sie sollen das Land hinter sich lassen und ins Wasser gehen. Sobald das Wasser schimmert und sich ein leichter Schleier über die Ufer zu legen beginnt, ist es unsere Aufgabe, die silbernen Seelenfäden wieder einzufangen, damit verlorene Menschen nicht in die Sogwirkung des Wassers geraten und hineingehen. Dazu sind wir hier.

 

I.

Wiera wachte auf und rollte ihren Teil des Kokons nach unten, gleichzeitig mit Fren. Wie jeden Tag blickten sie sich kurz an, berührten sich mit den Fingerspitzen, um sich gegenseitig Energie zu geben. Dann rutschten sie, ebenfalls gleichzeitig, nach unten und traten aus der kleinen Gesteinshöhle ins Freie. Ans Wasser. Wiera träumte manchmal vom Meer, von dem ihr ihre Weiserin Agwe erzählt hatte. Ein so mächtiges Wasser im Griff zu haben, konnte sie sich kaum vorstellen. Sie war gemeinsam mit Agwe an den kleinen See gebunden. Er lag abgelegen und war auch nicht zum Schwimmen geeignet, so dass sie kaum Probleme mit Menschen hatten. Ein Nachteil war aber, dass er im Gegensatz zu anderen Gewässern mehr Menschen anzog, die von sich aus vorhatten, ins Wasser zu gehen. Mit seiner Düsternis hatte er auf sie eine größere Sogwirkung als andere Gewässer. Fren nickte ihr zu, bevor er aufs Wasser trat und in Richtung Norden ging. Er war gemeinsam mit seinem Weiser für die Zuflüsse des Sees verantwortlich. Sie würden sich erst am Abend wiedersehen, wenn es Zeit für sie war, zu schlafen. Fren war dennoch immer mit ihr verbunden, so wie sie auch mit ihm. Ohne einander konnten sie keinen einzigen Tag überleben, miteinander hatten sie noch 100 Tage. Dann würde sich ihr Kokon für immer über ihnen schließen und aus ihnen würden zwei gänzlich neue Wassergänger entstehen.

***

Alina saß in ihrem Café, bei dem Ecktisch, an dem sie immer mit L. gesessen hatte. Seit L. nicht mehr da war, kam sie oft alleine hierher, bestellte sich eine heiße Schokolade mit Schlag und aß ein Stück Käsekuchen. Momentan war alles in Ordnung, weil sie es schaffte, ihre Cafésessions auf einmal in der Woche zu reduzieren. Wenn sie L. zu sehr vermisste, dann kam sie jeden Tag hierher. Wenn sie es gar nicht ertrug, dann bestellte sie zwei Tassen Schokolade und zwei Stück Käsekuchen und stellte die zweite Portion auf den Platz ihr gegenüber. Sie zerquetschte die letzten Brösel der cremigen Masse mit der Gabel; kratzte über das hellblaue Porzellan. Die Farbe strahlte eine Wärme aus, sie konnte es kaum aushalten. Der ganze Ort schien noch immer L. auszuatmen, so als wäre sie hier; so als wäre sie noch am Leben; so als hätte sie nicht– „Darf ich dir noch etwas bringen?“, wurde sie von der Kellnerin aus ihren Gedanken gerissen. Es war eigentlich gegen die Regeln, noch etwas zu bestellen. Weil die Gefahr bestand, das sie dann nicht mehr gehen konnte. Normalerweise hatte Hilde am Donnerstag Dienst und Hilde wusste Bescheid. Aber diese Kellnerin heute war neu und deswegen fragte sie natürlich nach. „Ja, bitte. Noch eine heiße Schokolade“, hörte sie ihre Stimme wie aus der Ferne sagen. Dann stellte sie sich vor, dass L. ihr gegenübersitzen würde, sich ihre violett gefärbten Haare aus dem Gesicht werfen würde, und mit ihr über ihre Lieblingsserien diskutieren oder über den Sinn des Lebens philosophieren würde. Eigentlich war sie immer die melancholische von ihnen beiden gewesen und nicht L. Wenn ich doch nur…setzte sich ihr Gedankenkarussel in Gang und das musste sie abbrechen, weil so durfte sie nicht mehr denken. Also nahm sie einen Schluck von der neuen Tasse. Es war noch zu heiß. Sie verbrannte sich beim Trinken die Zunge. Sie nahm einen weiteren großen Schluck und die Flüssigkeit brannte im Körper, und es war, was sie wollte, weil der akute Schmerz vom chronischen ablenkte.

II.

„Ich bin zum ersten Mal hier seit-“, Alina sprach nicht weiter, weil sie wusste, dass Jakob es wusste. Sie musste es also nicht aussprechen. „Seit Laura sich umgebracht hat“, beendete er ihren Satz. Sie zuckte zusammen. Er war grausam. Es war als hätte er sie geschlagen. Er bekam nicht mit, wie sehr er gerade ihre Wunden offen gelegt hatte; breitete stattdessen weiter die Picknickdecke über den Wiesenboden aus, akribisch, wie ihr schien. Es war eigentlich zu kalt für ein Picknick. Es begann schon leicht zu dämmern und ein seltsamer Nebel schien sich über den See zu legen, aber Alina hatte nichts gesagt zu seinen Plänen. Es hätte nichts geändert. „Setz dich“, sagte er und öffnete seinen Rucksack, aus dem er Brötchen, Obst und Wein hervorzauberte. Sie kam der Aufforderung nach und drehte den Schraubverschluss der Weinflasche auf. Dann nahm sie einen großen Schluck. „Hmm?“, meinte sie, als sie merkte, dass Jakob sie von der Seite anschaute; hielt ihm die Flasche hin, aber er winkte ab. „Warum magst du mich eigentlich?“, fragte er. Sie senkte die Augen, ihr Herz raste. Was will er damit bezwecken? Warum wollte er hierher? Warum fragt er mich das hier? „Ich weiß nicht“, setzte sie an. „Ich weiß nicht, ob ich dir darauf eine klare Antwort geben kann. Es ist irgendwie deine Art, ich fühle mich einfach wohl in deiner Nähe, weißt du?“ Sie sah, dass er lächelte, und lehnte sich gegen ihn. „Du bist schon seltsam“, meinte er und küsste sie. Sie schaute aufs Wasser, wie es sich kräuselte und zu glitzern schien, gerade so, als würde es sie rufen. Dann fing sie an zu weinen, weil ihr alles zu viel war. Er hielt sie eine Zeit lang fest, dann begann er sie auszuziehen und sie verlor sich in ihrem gemeinsamen Rhythmus, damit sie den Schmerz durch etwas anderes ersetzen konnte.

***

Es war das erste Mal gewesen, dass Wiera Menschen so nah am Wasser gesehen hatte. Als sie später auf ihre Weiserin Agwe traf, erzählte sie ihr von der Begegnung. „Warum hat das Mädchen geweint?“, fragte Wiera. „Es ist wegen einem Gefühl, das die Menschen von Geburt an in sich tragen. Sie nennen es Sehnsucht.“ „Sehn-sucht“, wiederholte Wiera murmelnd, um ein Gefühl für das fremde, kalte Wort zu bekommen. Dann sah sie Agwe fragend an. „Stell dir vor, du hättest Durst“, begann diese. „Was würdest du machen?“ „Etwas trinken“, antwortete Wiera blitzschnell, um sich im Moment danach zu fragen, ob ihre Antwort nicht zu vorschnell gewesen sei. Agwe nickte. „Genau. Nun, stell dir vor, du hättest Durst, aber du wüsstest nicht, wie du diesen stillen könntest. So ungefähr fühlt sich Sehnsucht für die Menschen an. Sie dürsten nach etwas, wissen aber nicht, wonach.“ Wiera fröstelte bei dem Gedanken. „Es ist nicht klar, woran es liegt, dass manche Menschen besser damit zurechtkommen als andere. Was wir aber wissen ist, dass jeder Mensch auf seine eigene Art versucht, mit der Sehnsucht fertig zu werden. Es ist ungefähr so, als würdest du gegen deinen Durst verschiedene Sachen nehmen, weil du Wasser nicht kennst, dir zum Beispiel Sand in den Rachen schütten. Manche Menschen reagieren auf Sehnsucht, indem sie versuchen, einen anderen Menschen einzunehmen. Sie wollen den Mangel mit dem, was sie ‚Liebe‘ nennen, bekämpfen. Andere stürzen sich in die Arbeit. Manche ertränken ihre Sehnsucht in Alkohol oder anderen Substanzen. Und für den Großteil der Menschen funktionieren diese Ersatzlösungen gut, entweder auf Dauer oder für einen gewissen Zeitraum. Meistens bezahlen sie dafür mit ihrer Gesundheit. Aber es gibt auch einige Menschen, die es nicht schaffen, sich abzulenken. Die keine Möglichkeit haben, dem Durstgefühl zu entkommen. Diese Menschen sind leichte Beute für das Wasser. Es lockt sie an und gaukelt ihnen vor, sie aus ihrer Situation erlösen zu können. Einen scheinbaren Ausweg anzubieten. Einen letzten Hoffnungsschimmer. Deswegen ist das, was wir sind, auch so wichtig.“

III.

Als Wiera aufblickte, sah sie am anderen Ufer das Mädchen von neulich, diesmal ohne Begleitung. „Es sitzt viel zu nahe am See“, dachte sie und sprang aufs Wasser – der schnellstmögliche Weg, um auf die andere Seite zu gelangen. In der Mitte des Sees spürte sie ein ihr unbekanntes Gefühl in der Brustgegend. Es war unangenehm, kaum aushaltbar. Sie stieß einen schrillen Schrei aus. „Schmerz. Das ist also Schmerz“, flüsterte sie. Es konnte nur bedeuten, dass Fren tot war, war das letzte, was sie dachte. Dann gab die Wasseroberfläche unter ihr nach und das Wasser zog sie in die Tiefe hinab.

***

„Ich wünschte, wir hätten uns verabschieden “, las Alina den Anfang des Briefes erneut, bevor die Buchstaben vor ihren Augen zu schwimmen begannen. Sie dachte daran, wie sie zuletzt mit Jakob hier gesessen war; leise vernahm sie ein Brummen in der Ferne; der Boden schien leicht unter ihr zu beben.

Sie dachte an L.

Ihr ganzer Körper schien von innen zu verbrennen. Alles schmerzte. Dann sah sie aus den Augenwinkeln etwas schimmern. Auf der Wasseroberfläche wogte eine silberne Decke. Sie wusste nicht genau warum, aber sie beugte sich nach vorne, um das Wasser zu berühren.

Der kleine Gnom und die Feuerfee

*txt.: Dominik Leitner hat das Projekt *.txt ins Leben gerufen – die Idee: alle drei Wochen wird ein neues Wort bekannt gegeben, und alle Teilnehmenden haben dann die darauffolgenden drei Wochen Zeit, sich einen Text aus der Tastatur zu klappern, der – in welcher Form auch immer – mit dem Wort in Verbindung steht. Die Links zu allen Texten finden sich gesammelt hier. Ich finde die Idee sehr kul, weil ich dadurch Anregungen zum Schreiben bekomme, und ich außerdem weitere Welten auf anderen Blogs, die auch beim Projekt mitmachen, entdecken kann.

Weil ich außerdem finde, ich sollte mich mehr mit unterschiedlichen Textsorten beschäftigen, um meinen Texthorizont zu erweitern, werde ich für jeden Beitrag eine spezifische Form wählen. Falls jemand Vorschläge für eine Textform hat – gerne!

Das zehnte (mein zweites) Wort: Glück.

Textsorte: Märchen. Beschreibung: Beim Begriff ‚Märchen‘ handelt es sich um die Diminuitivform von ‚Mär‘, ein Wort, das vom mittelhochdeutschen Ausdruck ‚maere‘ stammt, welcher eine ähnliche Bedeutung wie ‚Botschaft, Nachricht, Kunde‘ aufweist. Als ‚Märchen‘ wird eine fiktionale kürzere in Prosa verfasste Erzählung bezeichnet, in welcher volksütmlich angesehene Motive aufgegriffen werden. Dabei werden die folgenden Arten von Märchen unterschieden: Volksmärchen (oder auch Buchmärchen) und Kunstmärchen.

Für die begriffliche Bestimmung ist vor allem ersteres bedeutend. Da Volksmärchen als ein wissenschaftlich problematisch, da auch häufig ideologisch eingesetzter Begriff gilt, wird um dieser Wirkung zu entgehen teilweise der Begriff ‚Buchmärchen‘ anstelle dessen verwendet. (Vgl. Lothar Blum: Märchen, In: Metzler Lexikon Literatur. Hrsg. v. Dieter Burdorf, Christoph Fasbender u. Burkhard Moennighoff. 3., völlig neu bearb. Aufl. Stuttgart, Weimar: Metzler 2007,S. 472ff.)

Da das zehnte *.txt-Wort ‚Glück‘ ist, und dieser Text dieses Wort für mich am besten beschreibt, und ich im Moment nichts zu dem Thema schreiben könnte, hier mein erster Re-blog.

julia knaß

Für C. Ein Wintermärchen, geschrieben im Dezember 2013 ** Wünsche allen ein ruhiges, erholsames, erstes Novemberwochenende!

Es war einmal ein kleiner Gnom, der anders war als die anderen Gnome. Zwar sah er ganz gleich aus: Er hatte samtigweiche, grün schimmernde Haut, spitze Ohren und war exakt 15 Zentimeter groß, aber er fühlte sich anders, denn er hatte keine Freude an den Sachen, die Gnome den ganzen Tag über so machen: Jeden Tag in den frühen Morgenstunden startet bei den Gnomen ein neuer Wettbewerb. Alle Gnome haben dann nur mehr eines im Sinn: Sieger zu werden. Denn als Gewinner darf man das nächste Spiel bestimmen.

Dabei sind die Spiele manchmal sehr gefährlich. Beim Wettbewerb Wer kann am schnellsten auf einem schmalen Brett über die Felsenschlucht laufen? blieben am Ende des Tages nur zehn Gnome übrig. Gnome haben nämlich einen sehr schlechten Gleichgewichtssinn, und so waren die meisten beim Versuch über die Schlucht zu balancieren…

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Der kleine Gnom und die Feuerfee

Für C. Ein Wintermärchen, geschrieben im Dezember 2013 ** Wünsche allen ein ruhiges, erholsames, erstes Novemberwochenende!

Es war einmal ein kleiner Gnom, der anders war als die anderen Gnome. Zwar sah er ganz gleich aus: Er hatte samtigweiche, grün schimmernde Haut, spitze Ohren und war exakt 15 Zentimeter groß, aber er fühlte sich anders, denn er hatte keine Freude an den Sachen, die Gnome den ganzen Tag über so machen: Jeden Tag in den frühen Morgenstunden startet bei den Gnomen ein neuer Wettbewerb. Alle Gnome haben dann nur mehr eines im Sinn: Sieger zu werden. Denn als Gewinner darf man das nächste Spiel bestimmen.

Dabei sind die Spiele manchmal sehr gefährlich. Beim Wettbewerb Wer kann am schnellsten auf einem schmalen Brett über die Felsenschlucht laufen? blieben am Ende des Tages nur zehn Gnome übrig. Gnome haben nämlich einen sehr schlechten Gleichgewichtssinn, und so waren die meisten beim Versuch über die Schlucht zu balancieren, in den Abgrund gepurzelt.

Der kleine Gnom fand die Spiele sinnlos. Er hatte seine Eltern und auch seine Freunde gefragt: „Warum können wir nicht etwas anderes machen? Die Spiele sind doch nicht lustig, sondern gefährlich. Glaubt ihr nicht, dass es noch mehr im Leben geben muss als das?“ Aber seine Eltern hatten verständnislos den Kopf geschüttelt und sich leise gefragt: „Was soll nur aus unserem kleinen Gnom werden?“ Seine Freunde hatten ihn nur ausgelacht und laut gesagt: „Was willst du überhaupt? Du hast doch nur Angst, dass du nie siegen wirst.“

Schließlich sagte der kleine Gnom nichts mehr und streifte allein durch die nahe gelegenen Wälder, während sich die anderen bei Spielen wie Wer kann am meisten von dieser lilafarbenen metallisch riechenden Flüssigkeit trinken vergnügten.

Eines Tages kam er an einem hohlen Baumstumpf vorbei, aus dem es rot und golden funkelte. Neugierig geworden kroch er hinein. Im Inneren saß eine Feuerfee vor einem dampfenden Kessel. „Guten Tag“, begrüßte sie ihn. „Du hast Glück: Ich habe einen guten Tag.“ Das war bei Feuerfeen wörtlich zu nehmen: Sie haben nämlich abwechselnd gute und schlechte Tage. An guten Tagen erfüllen sie jedem, der ihnen über den Weg läuft, einen Wunsch. An schlechten Tag jedoch jagen Feuerfeen Besuchern Flüche oder Verwünschungen hinterher. „Warum bist du im Wald?“ fragte der kleine Gnom. „Feuerfeen leben doch in der Nähe von Feuer.“ Die Feuerfee seufzte: „Das stimmt. Aber ich mag kein Feuer. Dauernd musste ich vom Rauch husten, und die Augen tränten mir.“ Der kleine Gnom wusste darauf nichts zu antworten. „Was wünschst du dir?“ begann die Feuerfee. Das war leicht für den kleinen Gnom. „Ich wünsche mir, dass ich so bin wie alle anderen.“ sagte er wie aus der Pistole geschossen. Die Feuerfee runzelte die Stirn. „Was meinst du damit: wie alle anderen?“ fragte sie. „Ich meine, wie alle anderen Gnome.“ Da lachte sie: „Aber du bist doch wie alle anderen Gnome: Du siehst genauso aus, wie ein Gnom aussehen sollte: Du hast samtigweiche, grün schimmernde Haut, spitze Ohren und bist exakt 15 Zentimeter groß. Ich kann doch nichts erfüllen, was schon ist.“ Der kleine Gnom schüttelte den Kopf. „Nein, so meinte ich das nicht. Ich weiß, dass ich aussehe wie ein Gnom. Aber ich möchte auch innerlich ein Gnom werden. Die anderen verbringen ihre ganze Zeit mit Spielen und finden es lustig, tagelang verkehrt kopfüber von einer Brücke zu hängen, sich darüber zu unterhalten, wer am höchsten geklettert ist, oder sich Sorgen darum zu machen, ob sie es jemals schaffen werden, Spielleiter zu werden. Aber das alles macht mir keinen Spaß. Ich finde es sinnlos, “ schüttete der kleine Gnom der Feuerfee sein Herz aus. „und ich möchte doch so gern dazugehören.“ „Denkst du, die anderen haben Spaß?“ entgegnete die Feuerfee nachdenklich und schüttete eine blauglitzernde Flüssigkeit in ihre Brühe. „Denkst du, die anderen Feuerfeen haben gern tränende Augen und Husten vom vielen Rauch? ‚Aber Feuerfeen haben nun mal schon immer nahe dem Feuer gelebt‘, haben sie mir erklärt, bevor ich wegging. Und denkst du, die anderen Gnome haben Spaß an Spielen, in denen man ständig in Gefahr ist? Aber die meisten haben nicht den Mut, anders zu leben als es ihnen vorgegeben wird.“ So hatte der kleine Gnom es noch nie gesehen. „Aber was wird nun dein Wunsch sein?“ wiederholte die Feuerfee ihre Frage. Der kleine Gnom überlegte lange. Schließlich sagte er: „Ich wünsche mir blauschimmernde Haut.“ Die Fee lächelte und schnippte mit den Fingern und das Grün verwandelte sich in Blau. „Jetzt bist du wirklich nicht mehr wie die anderen.“

Der blaue Gnom ging zurück in sein Dorf und wurde von den anderen wegen seiner neuen Farbe misstrauisch beäugt. Er erklärte, dass er anders sei und deswegen weggehen würde. Dann packte er seine Sachen, verabschiedete sich von seiner Familie und ging zurück in den Wald, wo er sich eine kleine Höhle baute. An ihren guten Tagen besuchte ihn die Feuerfee, die kein Feuer mochte, und sie wanderten gemeinsam durch die Wälder, und brauten allerlei Heiltränke, die sie an verletzte Tiere und andere hilfesuchende Wesen verteilten. Auch den grünen Gnomen konnte der blaue Gnom einmal helfen, als diese wegen dem Wettbewerb Wer am meisten verdorbenen Fisch essen kann Bauchweh hatten.

So lebte der kleine, blaue Gnom glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage.