zweck:los

aus dem archiv: ein gedicht ins leere (aus dem jahr 2013).
Für C.

manchmal kann schein auch alles sein
ein schutz vor lust, ein schutz vor leid
wie lang ich noch am leben häng‘
bestimm nur ich, niemals die zeit.

du schätzt ästhetik fälschlich ein
sie  zeigt, wann wahrheit lüge ist
mein herz ist süchtig nach dem fallen
weil im zerbrechen leben ist

nach nutzen sollten wir nicht suchen
von gottes gnad‘ ist nichts zu seh’n
ich fürcht‘, am ende uns’rer tage
kann neben sehnsucht nichts besteh’n

ich fürchte nicht, was in der ferne
nur das, was mir sehr nahe ist
drum weiß ich auch, dass es gefährlich;
dass es sehr nah am wahnsinn ist

erfahrung könnt mir vieles lehren
doch ist es wahr, was aus ihr spricht?
ist gefühl alles, dann ertrink‘ ich
„geh von mir fort, verlass mich nicht!“

die wahren dinge dieses lebens
sie werden von gedanken bloß –
verkompliziert und jedes streben
nach einfachheit erscheint zwecklos.

„Und, wie war dein Tag heute so?“

ein gedicht aus meinem „archiv“ (á la meinen alten notizbüchern), irgendwann in der schulzeit geschrieben, als ich dachte, alles sollte sich irgendwie reimen und ich zuviel heinrich heine gedichte auswendig kannte (spiegelt sich im text)

„Und, wie war dein Tag heute so?“

Kennst du, wenn sie blöde fragen,
wie es heute denn so war.
aber du kannst es nicht sagen,
denn, du warst ja gar nicht da.

Warst versunken zwischen Träumen
ohne jemals aufzuwachen
während andere sich plagen
stapeln sich bei dir die Sachen.

Und so wirst du, wenn sie fragen
bloß dein hübsches Lächeln zeigen.
Das, plus nicken und ein Füllwort
bringt sie effektiv zum Schweigen.

Differenzen

Auch 2016 wird das Projekt *.txt von Dominik Leitner fortgeführt, worüber ich mich sehr freue, weil es mir Gelegenheiten ermöglicht, neue Texte, neue Textideen umzusetzen.

Das dritte Wort lautet: ‘Wahn‘, und ich beschäftige mich in meinen Text mit den falschen Vorstellungen in Beziehungen, nach Trennungen. Ich spiele mit dem Gedanken, den Text nächste Woche auf einem Poetry-Slam vorzutragen (sollte das Losglück mit mir sein), weil ich denke, dass der Text sich dazu eignet. Was meint ihr?

Differenzen

Ich denk an dich. Oder an das, was ich denke, dass du bist. Für mich. Obwohl ich weiß, ich sollte nicht, denn von ‚uns‘ kann ich nicht sprechen, nicht mal in der Vergangenheitsform eigentlich, weil ‚uns‘ gab es nicht. Jedenfalls, nicht lang genug, ‚uns‘ war nur ein Betrug, eine Illusion, von purer Perfektion, für den Bruchteil einer Sekunde, einen Augenblick, und dahin, dahin können wir nicht zurück. „Differenzen“ weiterlesen