Endzeit.

Ihre Schuhe sind voll Blut, matsch matsch bei jedem Schritt.
Ihre Hose ist voll Blut.
Ihr Pullover ist zerrissen; ihre linke Hand gebrochen.
Ihre rechte Hand schleift seinen leblosen Körper hinter sich her gleich wie sie als Kleinkind ihren überdimensionalen Teddybären hinter sich hergezogen hat.

– FLASHBACK –

Er: Wartest du schon lange?
Sie: Nein…
Er: Ist alles in Ordnung?
Geht es dir gut?
Sie: Ja. „Endzeit.“ weiterlesen

Advertisements

ex post sachen

S. trieft, S. klebt an uns wie… S. lässt sich nicht runterwaschen, aber wir können runterzählen… nicht bis 1, aber 3…2… Vorhang auf!

Wir präsentieren euch voller Stolz: nächte (lang)
1 noch: Verehrtes Publikum, liebste Lesende – wir hoffen auf eure rege Beteiligung, damit diese Aufführung gelingt.
*** „ex post sachen“ weiterlesen

in meinem kopf, kobaltblau

eine geschichte über schreibblockaden, und die frage, wie es sich anfühlt, die eigene identität zu verlieren


Ich verliere die Buchstabenketten, die ich so schön aneinander reihen konnte. Eine nach der anderen löst sich auf und die Buchstaben gleiten wie aufgefädelte Perlen von einer Schnur und verschwinden in der Dunkelheit. „in meinem kopf, kobaltblau“ weiterlesen

Zuggirlanden

tl;dr: das ist die geschichte hinter ’schöne lügen‘. in fragmenten. im übrigen sehr mit metaphern überladen (wollte ich mal ausprobieren). ich-erzähler*in mit einem imaginierten du – begründung für die form ist, dass dadurch die figuren an sich nicht so festgeschrieben sind (was kategorien wie gender betrifft).

Unser Sommer hatte mich kaum Atmen lassen, jedes Mal Luftholen war Feuerschlucken. Es hatte nicht nur an der Sonne gelegen, die gnadenlos vom Himmel brannte, sondern auch an den gnadenlos hitzigen Diskussionen zwischen uns. Dafür habe ich gebrannt, immer mit dem Gedanken: wenn ich mit dir reden; wenn ich dich überzeugen kann, dann kann ich alles. Und bemerkte nicht, wie ich dabei ausbrannte. Erst als das letzte Glühen lang erloschen war, begann ich die Kälte zu spüren, die sich in jedem einzelnen deiner Gedanken manifestierte. War zuvor jedes deiner Worte Öl auf meinem Feuer, wurde deine mit Hass überdeckte Angst nun zu einer Ölpest, die mich zu ersticken drohte.

„Zuggirlanden“ weiterlesen

Schreiben ist…

vor sehr langer zeit im vergangenen jahr hat mir sofasophia ein stöckchen zugeworfen (merci, nochmal!), und jetzt habe ich endlich die zeit gefunden, die fragen fertig zu beantworten (der beitrag liegt auch schon genauso lange in meinem entwurfordner)

***

Schreiben ist …

…fühlen.
schwebend zu Boden fallen
schwindelnd klar sehen
glücklich melancholisch sein
schreiend stumm bleiben
sicher nicht.
sicher schon.
vernünftig wahnsinnig werden
fühlen ist schreiben. „Schreiben ist…“ weiterlesen

nichts::tun

ich hab ein jahr lang nichts getan.

ich hab

die schwester von der schule abgeholt
für meine mutter eingekauft
granny-gesitted, damit meine mutter einkaufen kann

ich hab bloß

zigmal die frage meiner oma: „wann gehen wir endlich heim?“
mit: „wir sind daheim.“ beantwortet
alte fotoalben mit meinem opa durchgesehen
das zimmer meiner großeltern entrümpelt,
dabei alte geldscheine von alten zähnen getrennt
die rolle der kellnerin, sekräterin, krankenschwester oder soldatin gespielt anstelle enkeltochter zu sein.

ich hab bloß nur

katheder entleert, tabletten sortiert, inhalationsgerät eingeschalten, gegen thrombose gespritzt, angerotzte taschentücher vom boden aufgehoben, taschentücher vor den mund gehalten, rotz vom boden gewischt, kukident auf zähne geschmiert, fremde zähne geputzt, nikotinpflaster gewechselt, windeln gewechselt, opa aufs klo bekleidet, pardon euphemismus: die scheiße vom hintern meines opas gewischt.

ich hab ein jahr lang nichts getan, wofür ich einen urkundenwisch bekomm, ECTS und einen punkt für den CV.

meine mutter tut noch immer nichts. und ich studiere wieder, aber das ist im vergleich zum nichtstun nichts wert.

 

***

und ich hab auch ein jahr lang nichts hier veröffentlicht, weil die zeit dazu fehlte 😦

all die verlorenen jahre: 2 danke

tl;dr: irgendwas über familie – pflege in familien – demenz – generationen um ein trendwort zu verwenden. achja genau und: teil 2_

Danke

Danke, sagt sie, wenn ich ihr die Tabletten hinstelle.

Danke, sagt sie, als meine Mama sie darauf hinweist, dass sie heute zwei Westen und kein T-Shirt angezogen hat.

Danke, wenn meine Schwester ihr sagt, dass sie zum Essen kommen solle. Mit der Anmerkung, dass sie keinen Hunger habe. Wie im Hotel, sagt sie meistens nach dem Essen. Manchmal auch: wie bei der Firmung.

Danke, sagt sie in der Nacht, als sie angezogen in die Küche gekommen ist, und meine Schwestern und ich ihr erklären mussten, dass sie wieder schlafen gehen solle. Sie dachte, es wäre sieben Uhr morgen. Es war kurz nach Mitternacht. Fast hätte sie uns nicht geglaubt, weil meine jüngste Schwester nicht aufhören konnte zu lachen. „all die verlorenen jahre: 2 danke“ weiterlesen