LICHTERKETTEN IN BUDAPEST

Für Katka Čapek

STOP KANN FÜR VIELES STEHEN,

aus grenzen, außer grenzen, anhalten, an sich halten, in zwei wochen sind wahlen in BUDAPEST, wir verwechseln wahlplakate mit kulturinitiativen, in wiederholung, solange bis wir googlen, coffee books budapest ist unser verlaufen durch die stadt, wir gehen spiralen, bis wir sie wiederfinden, aber den burgpalast können wir trotzdem nicht umrunden, under construction als unüberwindbare hürde zum eingang in die nationalbibliothek, also gehen wir zurück, auch in der zeit, teppichböden, dunkles holz, 1980er-jahre-flair, ansonsten gilt uns auch baruch de spinoza als wegweiser in lokale, in denen wir zeiten verwischen, während es draußen schüttet, aber für uns regnet es nur bücher, in dieser stadt, sie fragen sogar, ob wir sie heiraten wollen, die donau erscheint uns majestätischer als in WIEN,

dav
ZUCKERGUSS

ALLES SCHEINT EIN BISSCHEN MEHR

als im eigenen land, ich probiere túró rudi, erstmals, weil sie es vorschlägt, süßer fast als käsekuchen, sie ist näher bei budapest als ich, sie kennt mehr ungarische wörter, fekete zum beispiel ist SCHWARZ, erklärt sie mir, fekete péter, auch das café trägt schwarz mit bunten lichterketten, dazu servieren wir uns wörter, scheitern an der aussprache, und ich am umrechnen von forint in euro in forint, in wiederholung, lachen über die altersangaben im kino, wo wir einen film mit untertiteln ansehen, die wir nicht lesen können, finding your feet, und am abend können wir geschichten erzählen, von unserer ODYSSEE ist die suche nach briefmarken, am abend tun nur die füße weh oder das kreuz, vom gehen und bücher tragen, in wiederholung, hast du gut geschlafen? ja, ich erzähle nicht von seinen ALPTRÄUMEN in meinem kopf, enden im kopf, solange ich nicht darüber spreche, solange sind sie nicht, wirklich,

budapest
ON STAGE

FÜR UNS FUNKTIONIERT DIE KAFFEEMASCHINE NIE

zum frühstück, aber das macht nichts, solange wir zur u-bahn finden, vorbei am stadion, vorbei am krankenhaus, vorbei am busbahnhof, vorbei an den matrazenlagern in den u-bahn-stationen, man sieht die menschen kaum mehr unter den decken, wir unterhalten uns über diese kälte, aber spüren sie nicht, weil wir hüllen uns in die wärme von buchhandlungen, vertraute sprachen in umschlägen und notenheften, vertraute wörter in gesprächen, in wiederholung, solange bis uns wirklich warm wird, ums herz, im kopf, bis ÖSTERREICH // ALLTAG // ERSTICKEN // endlich, aus uns, verschwinden, zwischen den buchstabenketten, die wir im café massolit auffädeln, wort für wort, die wir uns wie lichterketten umhängen und mit zurück nach hause nehmen

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LICHTBLICK

Beitrag für projekt*.txt. Das Wort lautet LICHTBLICK.

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UNENDLICHE MALE

„Alles, was unmittelbar erlebt wurde, ist in eine Vorstellung entwichen“ (Guy Debord)

„weißt du, oberflächenspannung, man wartet darauf, man weiß, es könnte sich etwas verändern, aber es geschieht nichts, immerfort geschieht rein gar nichts, alles bleibt, fixiert, stabil, man weiß aber, dass da unter der oberfläche noch etwas sein muss, nicht? dass es jederzeit explodieren könnte, es  eskalieren könnte, heute werden könnte, aber es explodiert eben gerade nicht, eskaliert gerade nicht, weißt du, schau, aber das muss ja auch nicht zwingend negativ sein.“

 

Beitrag für projekt *.txt. (Wort: unendlich)

SCHÖNEN

wir spiegeln uns nur mehr im blauen licht, und. ich schreibe ihm, „gestern habe ich meinen namen vergessen“, weil. so fängt es doch immer an, nicht? so war es gedacht, ja

I. malen

wir tanzen, aber. keiner von uns kann führen, nur verführen, wo soll das hin hin hin?, wir werfen alles unter den tisch und kehren alles über bord, „irgendwas stimmt nicht“, so ich, dann wird es still, weil wir sind in einer mineralwasserflasche gefangen

was ich liebe, was ich schreibe, luftleerer raum, man sagt ja vieles, wenn der tag lang ist, nicht? also kürze ich die stunden um 37 centimeter, aus den stoffresten bastle ich ihm eine freiheit, aber sie fliegt nicht, im vakuum

er sagt: „ware“, ich sag: „liebe“, dann beobachten wir die spinnen, wie sie ihre netze malen, während über uns die sterne wären, aber. wir brauchen keinen himmel mehr, wir haben vernetzungen. ich klaue das „h“ von seiner hand und sag „wahre“, er sagt: „au“

II. brechen

er zählt mich runter wie nichts, ich ziehe die vorhänge zu, unsere umrisse, sind wir das? oder sind wir das lachen, der eistee, seine zigaretten, ich sehe ihm zu, wie er sie dreht, ich sage, davon bin ich schwindelig, er fragt mich, ob. ich will

was atme ich ein, mikroplastik, auf ihm, auf mir, „sag mal, was ist deine augenfarbe, wenn du willst, dass ich dich dabei ansehe? sag mal, wenn wir uns verdrehen, warum erschüttert es uns nicht? sag mal lieber nichts, zähl uns lieber auf“

was ich ihm alles verzeihe, solange es nur schön formuliert ist (zu vieles), nichts kann ich, zum prinzip erheben, inkohärent, inkonsequent, das dafür aber radikal, nicht? mein gefühl bricht mir jedes mal mein rückgrat, symptomatisch schmerzt der rücken, nie das herz, nie der kopf

III. kleben

ich sehe wolken, und will fragen, was er in ihnen erkennt, einen bären? einen wolf? einen elefant? aber dann ist das doch nur nebel, am himmel, und wir sind nicht, unfassbar, ich huste, er raucht, unser sauerstoff wird knapp, er wird nicht reichen

ich stelle überall eimer auf, weil es durch die decke tropft, dann. ich sehe zu, wie sich einsamkeit anfüllt, in den eimern, und leere sie in die wanne, später bade ich in ihr, mit einem schaumbad, das ich im internet bestellt hab, meine haut brennt TOT TOT TOT

„was du mir bedeutest–“ wie oft wurde das schön geschrieben? ich will es noch schöner schreiben und besuche einen kurs über kalligraphie, aber dann falte ich doch lieber kraniche. “wieviele?“, fragt er und strahlt dabei so, dass es mich zersetzt, bevor ich antworten kann: 1000

IV. aufhängen

er fragt, als was ich mich sehe, als schreiberin? als frau? “ich sehe nicht, ich habe keine blicke, die hast du“, entgegne ich, darauf sticht er sich die augen aus, blicklos weinen wir, um uns 

„warum ich schreie? wegen uns, innen, und. weil wir aber. nur, warum schreist du denn nicht?“ ich vermisse seinen verfärbten blick, auf uns, auf mich, deswegen kaufe ich seine lieblingsfarbe und male mich damit an

und würde ich ihm schreiben, jede antwort von ihm würde mich umarmen, und. mir halt geben, also, schreibe ich ihm nicht, weil. es ist nicht seine aufgabe, ich muss alleine gehen können

***

das ist ein beitrag zum projekt *.txt: das wort lautet anfang.

kitschig, schön

I. unsere risse

wovor ich angst habe? dass deine wörter mich zerschneiden, also schreibst du mir zuckersüße nachrichten, und meinst, die kleben mich schon wieder zusammen, wir, soviel zucker, dass ich erst recht breche

was weiß ich schon über gefühl, außer, dass es reißt, an mir, an dir, schöne risse, schütten wir sie mit lava zu, du sagst: “ich sag stopp, wenn es passt“, aber ich weiß ja nicht mal, wie du deinen kaffee trinkst, vertrau mir doch nicht

ich werde kalt, aber nur damit du mich aufwärmst, nur meinst du, deine hitze reicht nicht und schenkst mir einen vulkan, jetzt warten wir auf seinen ausbruch, und füttern uns mit popcorn

II. unmittelbar, danach

in deinen augen meine augen, meine sehnsucht nach der gegenwart, ich entferne mich, von uns, aber es bleiben flecken, du sagst: “lass uns, springen, aber ohne bewusstsein“, also suchen wir einen abgrund, um hineinzufallen

meine unmittelbarkeit, danach. wie tief kannst du schlafen? ich: 14 kilometer, dann. immer dieses zweifeln, ob. soll ich fragen: „bitte, deck uns zu?“ oder: „deck uns auf?“ immer diese hitze, diese kälte, “wir sind keine amphibien“, sagst du. ich schnure, aber als roter faden

ich schreibe dir, dass ich das nicht mehr will, weil. alles, was ich will, ist ingwertee und seiten, die mich schneiden. du kaufst mir papier, wir machen konfetti, und liegen am boden, bis wir fliesen werden

III. unsere stille

was ist ein wort? für mich: zuckerwatte, aber aus salz, der stand: unter der erde, ich frag dich, ob du auch willst, aber du hast angst vor karies, ich denke, umso besser, umso besser, bleiben mehr wörter für mich (aber dann isst du die hälfte von meiner)

ich kaufe fleckenentferner, verbilligt, weil. ich will die entfernung zwischen uns flecken, du sagst: „nichts, was ich täte, ergäbe noch sinn für dich“, also lese ich dir camus vor, bis ich im steinregen erschlagen werde (wir waren nie, auf der erde)

„am besten kann ich schweigen“, meine ich, und. du sagst „so ein zufall, so ein zufall, ich kann das auch am besten“, dann. werden wir ganz ruhig, und. zwischen uns breitet sich eine stille aus, die leuchtet, so schön, dass ich denke, ich will für immer nie mehr mit dir reden

***

das ist ein beitrag zum projekt *.txt: das wort lautet kitsch.

STIMMEN

„Wenn mich wer fragt, worum es gegangen sei, also in dem Stück, dann werde ich voller Ernst behaupten, es sei eine Liebesgeschichte. Es gehe dabei um die Liebe zwischen Gott und Beelzebub. Und darum, dass Beelzebub nach Jahrtausenden, in denen er sich sehnsuchtsvoll nach Gott verzehrt hat, schließlich doch mit ihm gemeinsam einschlafen konnte. Ich werde sagen, es sei ergreifend, es sei tragischer und schöner als Julia und Romeo“, deklamiere ich, und. natürlich übertreibe ich, obwohl. Es war ja tatsächlich so, zumindest. Wenn man wirklich wolle, dann könne man das so. Sehen wollen wir sowieso nur, was. Wir sehen wollen. Dass dazwischen eine Welt, zerlegt in Asche und Schutt, dass. Darüber werde ich schweigen, und. Worüber ich schweige, dass ist nie passiert. Für mich nie passiert. So wie, denke ich dann, natürlich. Der Gedanke daran, tatsächlich. Ein Kurzschluss, der. Er durchbricht meinen Leerlauf, täglich. Nur weiß ich nie, wann. Und für wie lange, wenn.

„War da bei der Hinfahrt auch keine Sperre mehr, oder?“, fragt sie mich, aber. Ich zucke die Schultern und meine, ich hätte gerade nicht aufgepasst, oder. Tatsächlich habe ich auch schon bei der Hinfahrt zum Theater nicht aufgepasst, weil. Natürlich, erscheint mir nur mehr alles, was ich unter blauem Licht sehe, denn. Das ist mein Fluchtpunkt, weil. Die tatsächliche Wirklichkeit verschwimmt, innerhalb. Aber außerhalb der Echokammer, da kann ich nur stundenweise überleben, seit. Da verhallt das Echo viel zu, schnell bin ich da nur eine Echo, aber. Ohne Widerhall schaffe ich es nicht, zu. Behaupten kann ich mich schon lange nicht, behaupte aber. Dann. Wir fahren von der Autobahn ab, da. Ich hebe den Blick, sehe zur Brücke hinauf, dann. Ich sehe jemanden auf der Brücke stehen, und. Das mit dem strömenden Regen, das. Das mit dem schlierenden Beton, das. Eine Sage, ein Klischee, eine nicht tragende Wand. Ich sehe jemanden sich von der Brücke hinunterfallen, nur. Es reißt, mich Es.

Eigentlich. Müsste ich jetzt zu ihr sagen, hast du das auch gesehen, aber. Ich weiß, sie hat es nicht, gesehen, oder. Ich müsste sagen, weißt du, was mir gerade vorgekommen ist, aber. Ich kann weder den einen noch den anderen Anfang gebrauchen, denn. Solange ich nur darüber schweige, nicht? Solange ich nur nicht höhnisch lachend, ja. Nicht ja sage, nicht darüber spreche. Solange kann es nicht. Passieren. Sie sagen, es wird, trotzdem. Sie sagen es im Chor, im Kopf, die Stimmen.

lösungsmittel

die theorie (wikipedia) sagt uns:
als eine physikalische eigenschaft der alkohole gilt die hydrophilie, das heißt, alkohole sind bindungsfähig, sie sind in der lage mit wasser wasserstoffbrückenbindungen einzugehen, wobei gilt, dass je höher die zahl der hydroxylgruppen eines alkohols, umso mehr wasserstoffbrücken können gebildet werden.

die praxis (leben) lehrt uns:
wir trinken alkohol, wir versuchen uns (wie alkohole) :
wir sind auch hydrophil, wir wollen wasser als lösungsmittel,
wasser als lösung : „reich mir doch
noch ein
noch ein
noch ein
noch ein
noch ein
glas, bitte!“
wir interagieren : wir schwimmen obenauf, wir gehen unter,
aber wir bleiben
nicht wasserlöslich, wir können wasser nicht an uns ziehen, wir können wasser nicht an uns binden, wir versuchen es trotzdem, wir versuchen uns weiter, denn :
wir sind hydrophil.

***

das ist ein beitrag zum projekt *.txt: das vierte wort lautet: alkohol.

 

 

nachdenken über fernweh

projekt *.txt: das dritte wort lautet: fernweh.

NACHDENKEN ÜBER FERNWEH (eine twitter-variation)

I.

fernweh steht auch für: wie du mir aus der ferne dabei zusiehst, wie mir alles weh tut.

II.

das gegenteil von fernweh
sieht rot.

III.

wir schauen fernweh,
bis wir die bilder nicht mehr ertragen
und ich den stecker ziehe.

IV.

wie könnt ihr nur meer wollen?
wie könnt ihr nur fernweh haben?
wenn dort all die menschen ertrinken,
wenn all unsere träume auf leichen gebaut-