zweck:los

aus dem archiv: ein gedicht ins leere (aus dem jahr 2013).
Für C.

manchmal kann schein auch alles sein
ein schutz vor lust, ein schutz vor leid
wie lang ich noch am leben häng‘
bestimm nur ich, niemals die zeit.

du schätzt ästhetik fälschlich ein
sie  zeigt, wann wahrheit lüge ist
mein herz ist süchtig nach dem fallen
weil im zerbrechen leben ist

nach nutzen sollten wir nicht suchen
von gottes gnad‘ ist nichts zu seh’n
ich fürcht‘, am ende uns’rer tage
kann neben sehnsucht nichts besteh’n

ich fürchte nicht, was in der ferne
nur das, was mir sehr nahe ist
drum weiß ich auch, dass es gefährlich;
dass es sehr nah am wahnsinn ist

erfahrung könnt mir vieles lehren
doch ist es wahr, was aus ihr spricht?
ist gefühl alles, dann ertrink‘ ich
„geh von mir fort, verlass mich nicht!“

die wahren dinge dieses lebens
sie werden von gedanken bloß –
verkompliziert und jedes streben
nach einfachheit erscheint zwecklos.

nachdenken über fernweh

projekt *.txt: das dritte wort lautet: fernweh.

NACHDENKEN ÜBER FERNWEH (eine twitter-variation)

I.

fernweh steht auch für: wie du mir aus der ferne dabei zusiehst, wie mir alles weh tut.

II.

das gegenteil von fernweh
sieht rot.

III.

wir schauen fernweh,
bis wir die bilder nicht mehr ertragen
und ich den stecker ziehe.

IV.

wie könnt ihr nur meer wollen?
wie könnt ihr nur fernweh haben?
wenn dort all die menschen ertrinken,
wenn all unsere träume auf leichen gebaut-

grausam (he calls it hideous) II

I.

„Eine so hübsche Frau wie du sollte sich ihren Kopf nicht über Politik zerbrechen.“

II.

„Erklär’s mir bitte. Ich will wirklich wissen, was ich hätte anders machen sollen. Ich verstehe einfach nicht, warum dich das jetzt verletzt. Ich wollte dir halt nichts vorspielen, weißt du? Es liegt auch nicht an dir – du bist perfekt – es liegt ganz allein an mir. Ich bekomm‘ das mit der Nähe einfach nicht auf die Reihe. Und ich fühle einfach nicht genug. Es ist einfach nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Klar, es wäre vielleicht besser gewesen, dir zu sagen, dass ich dich nicht wirklich will, bevor wir ficken. Aber du kannst doch nicht verletzt sein, wenn ich doch einfach nur ich bin.“

III.

„Da red‘ ma dann drüber, wennst amal Kinder hast. Des kannst du jetzt ja noch gar net verstehen.“

IV.

„Man sieht ja, wo deine Prioritäten liegen. Wenn dir wirklich etwas an anderen Menschen, an deiner Familie, wenn dir etwas daran liegen würde, dann hättest du nicht drei Studien abgeschlossen. Dann würdest du jetzt nicht versuchen, Karriere zu machen. Du würdest nicht für’s System arbeiten, sondern etwas Sinnvolles mit deiner Zeit anfangen. Aber du wirst schon sehen: Es wird mal die Zeit kommen, da wirst du es bereuen, dass du keine Kinder hast. Da wirst du bereuen, dass du jemals studiert hast.“

V.

„So ab 25 ist für Frauen die beste Zeit einfach vorüber. Das sieht man halt einfach, dass die dann voll nicht mehr attraktiv, sondern einfach nur alt sind.“

VI.

[insert censored section here]

 

(inspiriert von David Foster Wallace: brief interviews with hideous men)

 

grausam (he calls it hideous)

I.

„Es gibt doch nichts Geileres als eine attraktive Frau, die Bier trinkt.“

II.

„Es war wieder ein sehr schöner Abend gestern. Nur habe ich Angst, dass du dir etwas anderes von mir erwartest, dass ich dir nicht geben kann. Ich habe das Gefühl, dass ich dich ausnutze, weil wir miteinander schlafen, ich aber nichts für dich empfinden kann. Weißt du, ich wollte eigentlich nie mit einer Frau schlafen, die ich nicht wirklich liebe. Ich sage dir das nur, weil ich bin ja kein Arschloch, dass dich einfach anlügt. Ich will ja ehrlich zu dir sein.“

III.

„Das ist meine Karte. Du kannst mich gern jederzeit anrufen, sowohl offiziell als auch privat…“

IV.

„Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Da hast du dich ja wirklich gut gehalten für dein Alter. Ich hätte dich ja höchstens auf 22 geschätzt. Ist aber auch schwierig, nicht wahr? Wenn man dann um einiges jünger aussieht… da trau’n sich die Männer dann ja nicht ran. Und wenn doch, dann sind’s doch sicher abgeschreckt, weil in deinem Alter… da willst du doch sicher auch bald Kinder…“

V.

„Schau… war doch eh chillig. Ich weiß gar nicht, was ihr alle immer wollt. Jetzt stress‘ mal nicht so rum, Mädel.“

VI.

„Ich glaube ja nicht, dass grad du das kannst. Du wirkst für mich eher wie eine Frau, die eine fixe Beziehung braucht. Einen Freund, der sie wirklich liebt, und der auf sie eingehen kann, damit du dich einmal wirklich fallen lassen kannst. Aber lockere Beziehungen? Nein, dass ist doch im Grunde nichts für jemanden wie dich.“

VII.

„Naja, du hast mich schließlich in deine Wohnung gebeten. Was sollte ich denn da sonst denken?“

(inspired by david foster wallace: brief interview with hideous men)

ex post sachen

S. trieft, S. klebt an uns wie… S. lässt sich nicht runterwaschen, aber wir können runterzählen… nicht bis 1, aber 3…2… Vorhang auf!

Wir präsentieren euch voller Stolz: nächte (lang)
1 noch: Verehrtes Publikum, liebste Lesende – wir hoffen auf eure rege Beteiligung, damit diese Aufführung gelingt.
*** „ex post sachen“ weiterlesen