Der letzte Tanz

*txt.: Dominik Leitner hat das Projekt *.txt ins Leben gerufen – die Idee: alle drei Wochen wird ein neues Wort bekannt gegeben, und alle Teilnehmenden haben dann die darauffolgenden drei Wochen Zeit, sich einen Text aus der Tastatur zu klappern, der – in welcher Form auch immer – mit dem Wort in Verbindung steht. Die Links zu allen Texten finden sich gesammelt hier. Ich finde die Idee sehr kul, weil ich dadurch Anregungen zum Schreiben bekomme, und ich außerdem weitere Welten auf anderen Blogs, die auch beim Projekt mitmachen, entdecken kann. „Der letzte Tanz“ weiterlesen

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Der kleine Gnom und die Feuerfee

*txt.: Dominik Leitner hat das Projekt *.txt ins Leben gerufen – die Idee: alle drei Wochen wird ein neues Wort bekannt gegeben, und alle Teilnehmenden haben dann die darauffolgenden drei Wochen Zeit, sich einen Text aus der Tastatur zu klappern, der – in welcher Form auch immer – mit dem Wort in Verbindung steht. Die Links zu allen Texten finden sich gesammelt hier. Ich finde die Idee sehr kul, weil ich dadurch Anregungen zum Schreiben bekomme, und ich außerdem weitere Welten auf anderen Blogs, die auch beim Projekt mitmachen, entdecken kann.

Weil ich außerdem finde, ich sollte mich mehr mit unterschiedlichen Textsorten beschäftigen, um meinen Texthorizont zu erweitern, werde ich für jeden Beitrag eine spezifische Form wählen. Falls jemand Vorschläge für eine Textform hat – gerne!

Das zehnte (mein zweites) Wort: Glück.

Textsorte: Märchen. Beschreibung: Beim Begriff ‚Märchen‘ handelt es sich um die Diminuitivform von ‚Mär‘, ein Wort, das vom mittelhochdeutschen Ausdruck ‚maere‘ stammt, welcher eine ähnliche Bedeutung wie ‚Botschaft, Nachricht, Kunde‘ aufweist. Als ‚Märchen‘ wird eine fiktionale kürzere in Prosa verfasste Erzählung bezeichnet, in welcher volksütmlich angesehene Motive aufgegriffen werden. Dabei werden die folgenden Arten von Märchen unterschieden: Volksmärchen (oder auch Buchmärchen) und Kunstmärchen.

Für die begriffliche Bestimmung ist vor allem ersteres bedeutend. Da Volksmärchen als ein wissenschaftlich problematisch, da auch häufig ideologisch eingesetzter Begriff gilt, wird um dieser Wirkung zu entgehen teilweise der Begriff ‚Buchmärchen‘ anstelle dessen verwendet. (Vgl. Lothar Blum: Märchen, In: Metzler Lexikon Literatur. Hrsg. v. Dieter Burdorf, Christoph Fasbender u. Burkhard Moennighoff. 3., völlig neu bearb. Aufl. Stuttgart, Weimar: Metzler 2007,S. 472ff.)

Da das zehnte *.txt-Wort ‚Glück‘ ist, und dieser Text dieses Wort für mich am besten beschreibt, und ich im Moment nichts zu dem Thema schreiben könnte, hier mein erster Re-blog.

julia knaß

Für C. Ein Wintermärchen, geschrieben im Dezember 2013 ** Wünsche allen ein ruhiges, erholsames, erstes Novemberwochenende!

Es war einmal ein kleiner Gnom, der anders war als die anderen Gnome. Zwar sah er ganz gleich aus: Er hatte samtigweiche, grün schimmernde Haut, spitze Ohren und war exakt 15 Zentimeter groß, aber er fühlte sich anders, denn er hatte keine Freude an den Sachen, die Gnome den ganzen Tag über so machen: Jeden Tag in den frühen Morgenstunden startet bei den Gnomen ein neuer Wettbewerb. Alle Gnome haben dann nur mehr eines im Sinn: Sieger zu werden. Denn als Gewinner darf man das nächste Spiel bestimmen.

Dabei sind die Spiele manchmal sehr gefährlich. Beim Wettbewerb Wer kann am schnellsten auf einem schmalen Brett über die Felsenschlucht laufen? blieben am Ende des Tages nur zehn Gnome übrig. Gnome haben nämlich einen sehr schlechten Gleichgewichtssinn, und so waren die meisten beim Versuch über die Schlucht zu balancieren…

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Der kleine Gnom und die Feuerfee

Für C. Ein Wintermärchen, geschrieben im Dezember 2013 ** Wünsche allen ein ruhiges, erholsames, erstes Novemberwochenende!

Es war einmal ein kleiner Gnom, der anders war als die anderen Gnome. Zwar sah er ganz gleich aus: Er hatte samtigweiche, grün schimmernde Haut, spitze Ohren und war exakt 15 Zentimeter groß, aber er fühlte sich anders, denn er hatte keine Freude an den Sachen, die Gnome den ganzen Tag über so machen: Jeden Tag in den frühen Morgenstunden startet bei den Gnomen ein neuer Wettbewerb. Alle Gnome haben dann nur mehr eines im Sinn: Sieger zu werden. Denn als Gewinner darf man das nächste Spiel bestimmen.

Dabei sind die Spiele manchmal sehr gefährlich. Beim Wettbewerb Wer kann am schnellsten auf einem schmalen Brett über die Felsenschlucht laufen? blieben am Ende des Tages nur zehn Gnome übrig. Gnome haben nämlich einen sehr schlechten Gleichgewichtssinn, und so waren die meisten beim Versuch über die Schlucht zu balancieren, in den Abgrund gepurzelt.

Der kleine Gnom fand die Spiele sinnlos. Er hatte seine Eltern und auch seine Freunde gefragt: „Warum können wir nicht etwas anderes machen? Die Spiele sind doch nicht lustig, sondern gefährlich. Glaubt ihr nicht, dass es noch mehr im Leben geben muss als das?“ Aber seine Eltern hatten verständnislos den Kopf geschüttelt und sich leise gefragt: „Was soll nur aus unserem kleinen Gnom werden?“ Seine Freunde hatten ihn nur ausgelacht und laut gesagt: „Was willst du überhaupt? Du hast doch nur Angst, dass du nie siegen wirst.“

Schließlich sagte der kleine Gnom nichts mehr und streifte allein durch die nahe gelegenen Wälder, während sich die anderen bei Spielen wie Wer kann am meisten von dieser lilafarbenen metallisch riechenden Flüssigkeit trinken vergnügten.

Eines Tages kam er an einem hohlen Baumstumpf vorbei, aus dem es rot und golden funkelte. Neugierig geworden kroch er hinein. Im Inneren saß eine Feuerfee vor einem dampfenden Kessel. „Guten Tag“, begrüßte sie ihn. „Du hast Glück: Ich habe einen guten Tag.“ Das war bei Feuerfeen wörtlich zu nehmen: Sie haben nämlich abwechselnd gute und schlechte Tage. An guten Tagen erfüllen sie jedem, der ihnen über den Weg läuft, einen Wunsch. An schlechten Tag jedoch jagen Feuerfeen Besuchern Flüche oder Verwünschungen hinterher. „Warum bist du im Wald?“ fragte der kleine Gnom. „Feuerfeen leben doch in der Nähe von Feuer.“ Die Feuerfee seufzte: „Das stimmt. Aber ich mag kein Feuer. Dauernd musste ich vom Rauch husten, und die Augen tränten mir.“ Der kleine Gnom wusste darauf nichts zu antworten. „Was wünschst du dir?“ begann die Feuerfee. Das war leicht für den kleinen Gnom. „Ich wünsche mir, dass ich so bin wie alle anderen.“ sagte er wie aus der Pistole geschossen. Die Feuerfee runzelte die Stirn. „Was meinst du damit: wie alle anderen?“ fragte sie. „Ich meine, wie alle anderen Gnome.“ Da lachte sie: „Aber du bist doch wie alle anderen Gnome: Du siehst genauso aus, wie ein Gnom aussehen sollte: Du hast samtigweiche, grün schimmernde Haut, spitze Ohren und bist exakt 15 Zentimeter groß. Ich kann doch nichts erfüllen, was schon ist.“ Der kleine Gnom schüttelte den Kopf. „Nein, so meinte ich das nicht. Ich weiß, dass ich aussehe wie ein Gnom. Aber ich möchte auch innerlich ein Gnom werden. Die anderen verbringen ihre ganze Zeit mit Spielen und finden es lustig, tagelang verkehrt kopfüber von einer Brücke zu hängen, sich darüber zu unterhalten, wer am höchsten geklettert ist, oder sich Sorgen darum zu machen, ob sie es jemals schaffen werden, Spielleiter zu werden. Aber das alles macht mir keinen Spaß. Ich finde es sinnlos, “ schüttete der kleine Gnom der Feuerfee sein Herz aus. „und ich möchte doch so gern dazugehören.“ „Denkst du, die anderen haben Spaß?“ entgegnete die Feuerfee nachdenklich und schüttete eine blauglitzernde Flüssigkeit in ihre Brühe. „Denkst du, die anderen Feuerfeen haben gern tränende Augen und Husten vom vielen Rauch? ‚Aber Feuerfeen haben nun mal schon immer nahe dem Feuer gelebt‘, haben sie mir erklärt, bevor ich wegging. Und denkst du, die anderen Gnome haben Spaß an Spielen, in denen man ständig in Gefahr ist? Aber die meisten haben nicht den Mut, anders zu leben als es ihnen vorgegeben wird.“ So hatte der kleine Gnom es noch nie gesehen. „Aber was wird nun dein Wunsch sein?“ wiederholte die Feuerfee ihre Frage. Der kleine Gnom überlegte lange. Schließlich sagte er: „Ich wünsche mir blauschimmernde Haut.“ Die Fee lächelte und schnippte mit den Fingern und das Grün verwandelte sich in Blau. „Jetzt bist du wirklich nicht mehr wie die anderen.“

Der blaue Gnom ging zurück in sein Dorf und wurde von den anderen wegen seiner neuen Farbe misstrauisch beäugt. Er erklärte, dass er anders sei und deswegen weggehen würde. Dann packte er seine Sachen, verabschiedete sich von seiner Familie und ging zurück in den Wald, wo er sich eine kleine Höhle baute. An ihren guten Tagen besuchte ihn die Feuerfee, die kein Feuer mochte, und sie wanderten gemeinsam durch die Wälder, und brauten allerlei Heiltränke, die sie an verletzte Tiere und andere hilfesuchende Wesen verteilten. Auch den grünen Gnomen konnte der blaue Gnom einmal helfen, als diese wegen dem Wettbewerb Wer am meisten verdorbenen Fisch essen kann Bauchweh hatten.

So lebte der kleine, blaue Gnom glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage.

manifest gegen den konstruktionsfanatismus und für ein fantasievolles & unreflektiertes festhalten an der naivität

ich will nicht verhehlen, dass ich mich, wohl auch wegen fehlender alternativen, dazu entschlossen habe, die von den anderen als ‚die‘ wirklichkeit akzeptierte konstruktion abzulehnen, und mich nicht nur dem wissen um die realität selbst, sondern auch dem um ihre konstruiertheit  zu verschließen.

demnach werde ich „sei realistisch!“ mit all seinen abwandlungen ignorieren, und zu einer märchenbehafteten weltsicht, deren probleme ich vorziehe, zurückkehren. ich will, muss, daran glauben, dass jede meiner handlungen schicksalsgeleitet; dass jegliches ereignis, mag es ein sommergewitter, ein papierstau sein, nicht zufällig geschehen, sondern mit bedeutung aufgeladen ist.
ich bin als folge davon zukünftig nicht mehr nur eine von tausend anderen mit ähnlichen, und deswegen beliebig austauschbar erscheinenden lebensläufen, sondern deklarierte hauptfigur in meiner eigenen geschichte.

auch wenn ich es bedaure, so muss ich es doch künftig verweigern, mich in den schäumenden wellen gänzlich aufzulösen.